Rußfilter

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Rußfilter

Beitragvon XS500 » Freitag 27. Januar 2012, 12:27

hai,

kann es sein, dass die Russen früher Schweröl gefahren haben und das ohne RußFilter:

http://www.youtube.com/watch?feature=en ... N5_1K5hRys

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Re: Rußfilter

Beitragvon Augustiner » Freitag 27. Januar 2012, 18:21

a) es handelt sich um einen Akt der Tarnung
b) mein Toyota macht das heute noch genauso, nämlich Rußfilter frei brennen; Audi fragt zumindest vorher ganz höflich, ob es gerade recht wäre, die Gegend zu vernebeln.........
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Re: Rußfilter

Beitragvon XS500 » Samstag 28. Januar 2012, 17:42

Ja, ja,

ich hatte einen Renault 5 mit Kennmelder. Jeder in Kassel wußte anhand der Ölwolke wo ich war. Später mußte ich mir ein neues Auto kaufen. Das Öl wurde zu teuer.

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Re: Rußfilter

Beitragvon Varga » Samstag 28. Januar 2012, 20:38

XS500 hat geschrieben:hai,

kann es sein, dass die Russen früher Schweröl gefahren haben und das ohne RußFilter:

http://www.youtube.com/watch?feature=en ... N5_1K5hRys

XS500

Nein. Schiffsmotoren laufen mit Schweröl. Vor Gebrauch muss Schweröl auf ca. 50 Grad+ erhitzt werden, damit es gefördert werden kann. Stellt man einen Motor der mit Schweröl läuft ab, bring man den erkalteten Motor nicht mehr zu laufen, da das dickflüssige Öl die Leitungen und Einspritzdüsen verstopft .
Schiffe schalten vor Einlaufen in einen Hafen auf normalen Diesel um. Auch aus Umweltschutzgründen.

Gruss
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Re: Rußfilter

Beitragvon XS500 » Samstag 28. Januar 2012, 21:39

Hallo Varga,

dann haben sie ja einiges bei dem gekenterten Kreuzfahrer vor sich. So ein paar hundert Tonnen Schweröl auf 50°C bringen ......

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Re: Rußfilter

Beitragvon Varga » Samstag 28. Januar 2012, 22:45

XS500 hat geschrieben:Hallo Varga,

dann haben sie ja einiges bei dem gekenterten Kreuzfahrer vor sich. So ein paar hundert Tonnen Schweröl auf 50°C bringen ......

XS500


Geheizt wird mit heissem Wasser, das im Tank verbleibt, damit sich die Schwerpunktlage des Schiffes nicht verändert.

Gruss
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Re: Rußfilter

Beitragvon Mercedes-Diesel » Sonntag 29. Januar 2012, 12:09

XS500 hat geschrieben:Hallo Varga,

dann haben sie ja einiges bei dem gekenterten Kreuzfahrer vor sich. So ein paar hundert Tonnen Schweröl auf 50°C bringen ......

XS500


So ist es, war auch in den Medien zu vernehmen dass die Tanks bzw. der Inhalt erhitzt werden muss. Da ist schon eine holländische Spezialfirma vor Ort (selbige die damals die Kursk gehoben haben).

Bei den Russen (gerade das obige gepostete Video von dir) waren Benzin Motore. Die russischen Fahrzeuge (gerade auch LKW) sind Benziner. Hat den Hintergrund, Diesel scheidet ab -20° Prafin aus und dann geht nix mehr, da in einigen Landstrichen Russlands mal locker -30° - -40° und mehr ! herschen können....da ist mit Diesel schluss.
Mein Großvater erzählte mir, dass im Russland Feldzug die Fahrzeuge regelrecht fest gefroren waren...beim Anfahren die gezogenen Geschütze aus den Kupplungen rissen, die seien gesprungen wie Glas. Die ließen die Fahrzeuge nachts durchlaufen oder mussten morgens mühsam mit Lötlampen die Zufuhr an den Filtern wieder herstellen, manchmal ging aber auch dass nicht mehr da sogar die Leitungen dicht waren.
Die Russen Technik ist total simpel, da kann dir sogar jeder Dorfschmied helfen, und sau robust. Nicht so`n High Tech Gedöns wie bei uns, wo ohne Computer und drei Semester Informatik schon mal gar nichts mehr geht.
Kehrseite ist, dass die LKW mal 40 ltr. und mehr auf 100km wegputzen..im Gelände auch mal deftig mehr. Deswegen kriegt man die Russen LKW in der Bucht auch sehr günstig...kann man sich nur leisten wenn man eine Tankstellenbesitzerin als Frau hat :D

Dann gibt es die sogenannten Vielstoff Motore...die schlucken alles. Du kennst sicher noch die gute alte "Emma" der Bw (bild anbei)...war auch ein Vielstoff Motor. Frag mal bei dir im Betrieb ob die modernen Fahrzeuge die Ihr wartet, auch noch so gestrickt sind
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Rußfilter

Beitragvon Varga » Sonntag 29. Januar 2012, 17:22

Mercedes-Diesel hat geschrieben:
XS500 hat geschrieben:Hallo Varga,

dann haben sie ja einiges bei dem gekenterten Kreuzfahrer vor sich. So ein paar hundert Tonnen Schweröl auf 50°C bringen ......

XS500



Mein Großvater erzählte mir, dass im Russland Feldzug die Fahrzeuge regelrecht fest gefroren waren...beim Anfahren die gezogenen Geschütze aus den Kupplungen rissen, die seien gesprungen wie Glas. Die ließen die Fahrzeuge nachts durchlaufen oder mussten morgens mühsam mit Lötlampen die Zufuhr an den Filtern wieder herstellen, manchmal ging aber auch dass nicht mehr da sogar die Leitungen dicht waren.

Da kann ich dir zustimmen. Mein Taufpate (Götti) war im WWII in Russland als Motorfahrer und hat die gleichen Geschichten erzählt.

Ein solches Vorgehen kann es auch heutzutage noch geben. Ich habe 2 Pilotenkollegen die mit einem Turboprop-Flugzeug im Winter nach Sibirien auf einen Prvinzflugplatz fliegen mussten. Um für den Start am anderen Morgen keine Probleme zu kriegen, haben sie die Turbinen die ganze Nacht im Leerlauf laufen gelassen.


Gruss
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Re: Rußfilter

Beitragvon Bolle » Sonntag 29. Januar 2012, 22:17

Ich halte das für die typische "Blaurauchbildung" bei kalten Dieselmotoren. Die hatten die MAN, Deutz und Faun der BW vor 30 bis 40 Jahren auch. Macht mein Oldie (3 L Vorkammer-Saugdiesel mit 76 PS, Bj. 1980) auch heute noch genau so.

Gruß,
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Re: Rußfilter

Beitragvon Mercedes-Diesel » Montag 30. Januar 2012, 09:22

Ob dass nun auf dem Video ein "Diesel" war bzw. ist...sollte man vorsichtig behandeln. Ich tippe mal ehr auf Benzin Motor.

Der Freund meines Schwagers hatte sich mal aus der Bucht einen super ehaltenen Ural 375 mit Fernmeldekoffer als "Surf" Mobil gekauft :D ...7ltr. Hubraum und BENZIN...einsatzfähig bis -50°...braucht man hier auch unbedingt :D ...aber war ja billig das Geschoss.
6x6 Antrieb, Reifenfüllanlage, Standheizung, Notstromaggregat und...etwas über 10 tsd. km gelaufen für sage und schreibe 8000 €... nach den ersten Fahrten wusste der auch warum das Fahrzeug so billig war.

Die Ernüchterung kam bei den ersten Ausfahrten bei St. Peter Ording xD ...300 ltr. Haupttank + 60 ltr. Nebentank
Macht tierisch Spaß damit am Strand zu fahren (da darf man dass noch) und gestrandete Touris aus dem Sand zu schleppen oder kleine Schiffchen mit dem Trailer aus dem Wasser zu holen, damit kann man locker bis 1,5 mtr. in`s Wasser. Aber !! der Verbraucht nicht...der säuft, aber wie ! Bei humaner Fahrweise laufen da schlanke 50 ltr./ 100km durch...im Geländeeinsatz dürfen es auch mal 80 -90 ltr. sein. Irre !! So schnell kann man gar nicht gucken wie die Tanknadel gegen null läuft.

Auf der Landstraße, liebe Güte :D, Reifen mit Schlauch die einen irren Radau machen. Man fahrt mit den Mopeds um die Wette...bei 80km/h ist Schluss ! In diesem Geschwindigkeitsbereich fährt man nicht...man rudert !Wenn der aus dem Ruhrgebiet da hoch fuhr, musste der mindestens 2 mal Tanken (für die einfache Strecke)...die Nummer vergess ich nie.
Nach zwei Sommern war das Ding wech...Aussage...daran gehe ich Pleite xD. Wenn der morgens den Motor anließ...herje, das war ein Nebelwerfer bester güte und zog den Zorn der umliegenden Campingplatzbenutzer auf sich.
Soviel zur guten, robusten Russen Technik.

Augustiner hat geschrieben:....Rußfilter frei brennen; Audi fragt zumindest vorher ganz höflich, ob es gerade recht wäre, die Gegend zu vernebeln.........

Nö, A4 und A6 jedenfalls nicht. Das einzige was du merkst -beim Freibrennvorgang wird mehr Diesel über die Injektoren eingespritzt- dass der Hobel besser "geht". Da fragt nichts im "FIS" (FahrerInformationsSystem) höflich nach und angezeigt wird auch nichts (außer der Filter ist komplett dicht). Auch gibt es keine Wolke beim Freibrennen (war mal bei den ersten Partikelfiltern) ...wenn der denn "Wolke" macht...ist was faul.
Das schlimmste sind für die modernen Diesel mit Partikelfilter Kurzstreckenfahrten, der kommt dann nämlich gar nicht mehr in den Freibrennmodus und der Filter geht langsam aber stetig komplett dicht. Dann ist der Filter rappelvoll und reif für die Tonne...dann ein teures unterfangen da er erneuert werden muss.
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Re: Rußfilter

Beitragvon Bolle » Montag 30. Januar 2012, 12:35

Panzermann müsste das wissen...

Gruß,
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Re: Rußfilter

Beitragvon michael » Montag 30. Januar 2012, 15:53

Wow, blaue Wolke beim Diesel? Meines Wissens nach weiße Wolke bei Wassereinbruch und schwarze Wolke bei Spritüberschuß bzw. Luftmangel. Aber blau?

MfG michael
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Re: Rußfilter

Beitragvon Mercedes-Diesel » Montag 30. Januar 2012, 16:58

:D genauso sehe ich dass auch. Was machen Eure Diesel Loks beim Anfahren bzw. Starten...schwarz. Was macht ein Benziner wenn Öl in die Brennräume durch z.b. zu großes Spiel der Kolbenringe kommt ...BLAU...denke mal an die Trabbi`s mit Zweitaktmotor. Benzin, Öl Gemisch = blaues Wölkchen :D
Komplett Weiß ist ein untrügliches Zeichen für eine defekte Kopfdichtung....dann kommt Wasser in die Brennräume....wird`s zuviel, kommt der Wasserschlag und der Motor fliegt auseinander.

Warten wir mal ab was der User Panzermann dazu zu sagen hat...der dürfte das Fahrzeug, nebst Motorisierung, garantiert kennen.

Edit: Alles zurück ! Man sollte doch einfach mal ein wenig Google bemühen :D Das Fahrzeug (Video XS500) ist ein MAZ-543 (russisch МАЗ-543) ist ein schwerer vierachsiger Lastkraftwagen (8×8) des weißrussischen Fahrzeugherstellers Minski Awtomobilny Sawod, der in den 1960er-Jahren entwickelt wurde und hat einen 12 Zylinder Diesel mit 525 PS.
Nachzulesen hier: http://de.wikipedia.org/wiki/MAZ-543
Die Frage nun warum ein Diesel blaue Wolken macht....keine Ahnung -()-
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Re: Rußfilter

Beitragvon Panzermann » Montag 30. Januar 2012, 19:31

Hallo User,

zum Thema "Rußfilter usw.". Wenn ich die Beiträge richtig gelesen habe, geht es um den weißen Rauch in dem Video bei der Übung des KRR. Ich werde mich dazu in den nächsten Tagen dazu äußern. Wie Ihr ja schon bemerkt habt, geht es bei mir nicht kurz, ich muß immer etwas längeres schreiben. Nur soviel sei schon gesagt, der Motor von dem hier die Rede ist, hat seinen Ursprung in dem bereits in der zweiten Hälfte der 1930-er Jahre in den sowjetischen Panzern eingebauten V-12-4-Takt-Dieselmotor. Auf der Basis dieses Motor wurde eine ganze Familie von Dieselmotoren, sowohl 12-Zylinder als 6-Zylinder, entwickelt. Dieser Motor kommt aus der Flugzeugindustrie, dies sieht man, wenn man ihn demontiert, weil an der Kurbelwelle die Gegengewichte fehlen. Diese Bauart war nur bei Flugzeugmotoren möglich, weil die immer unter Last liefen (Propeller). Die Panzerfahrer in der NVA wurden deshalb bei der Ausbildung angewiesen, im Stand den Motor nur unter niedrigen Drehzhlen laufen zu lassen. Ich habe selbst im Motorenwerk Wurzen an einem längeren Praktikum teilgenommen, wo dies Motoren zur Hauptinstandsetzung angeliefert wurden. Also ein wenig Geduld, wenn ich zwei drei Tage brauche.

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Beitragvon wolle » Montag 30. Januar 2012, 20:38

Schaust du hier ist das Typen blatt zum Racketenwerfer 125 litter auf 100 km sagt alles Benziener die Russen hatten genug davon wenn du den Trabi noch gekannt hast dann Schoke dann Rauchte er genau so http://www.kuestenraketen.de/tech/tech.html
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Re: Rußfilter

Beitragvon wolle » Montag 30. Januar 2012, 20:41

Jetzt habe ich Schei... erzählt war ein Schnellaufender Diesel Motor Der gleiche wie bei ihren Panzern und Teilweise auch in locks unsere TGK hatte auch den drin http://www.kuestenraketen.de/tech/fahrw/fahrw.html
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Re: Rußfilter

Beitragvon Bolle » Montag 30. Januar 2012, 21:11

Der T34 hatte auch schon einen Diesel. V12.

Gruß,
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Re: Rußfilter

Beitragvon XS500 » Dienstag 31. Januar 2012, 07:25

Hai,

sind solche Teile eigentlich auch in Ohrdruf gewesen?

Ich habe noch nie etwas von einer Kurbelwelle ohne Ausgleichsgewicht gehört. Geht das?

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Re: Rußfilter

Beitragvon bobo » Dienstag 31. Januar 2012, 10:09

Klar geht das ;)
MfG BOBO
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Re: Rußfilter

Beitragvon Panzermann » Dienstag 31. Januar 2012, 13:11

Hallo XS500,

Du hast natürlich Recht, ganz ohne Ausgleichsgewichte funktioniert eine Kurbelwelle natürlich nicht. Aber die beim Motor W-2-34 vorhandenen Ausgleichsgewichte kann man im Vergleich zu anderen Dieselmotoren als "Rudimente" bezeichnen. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, daß dieser Motor auf der Basis von Flugzeugmotoren entwickelt wurde. Der Aufbau des W-2-34 ist auf folgender Internetseite http://www.pro-tank-t34.ru/ustrojstvo-d ... ya-v-2-34/ beschrieben, leider in russischer Sprache. Auf den Abbildungen ist der Aufbau nicht allzu deutlich zu erkennen. Aber ich werde mich bemühen, einige bessere Abbildungen von meinen ehemaligen Kameraden aufzutreiben.

Als Basis für die Entwicklung des W-2 dienten die in der UdSSR in Lizenz für Flug-zeuge gefertigten Benzinmotoren der Typen M-5 und M-17. Außerdem wurden die Erfahrungen des für Flugzeuge in der UdSSR entwickelten Dieselmotors АН-1 ("авиационный нефтяной") zur Entwicklung des W-2 berücksichtigt.
Quelle: http://chtz-uraltrac.ru/files/publ/parad_05_06.pdf

Eine der ersten Varianten des W-2 mit Aufladung, der BD-2, wurde z. B. in dem sowjetischen Aufklärungsflugzeug R-5 erprobt.

Es gab sowohl in der Sowjetunion als auch in der DDR immer Diskussionen darü-ber, ob dieser Motor eine eigenständige Entwicklung sowjetischer Konstrukteure war oder nicht. Der in der angegebenen Quelle abgedruckte Artikel, der von führenden sowjetischen/ russischen Motorspezialisten verfaßt wurde, gibt meiner Meinung darauf eine eindeutige Antwort.

Der W-2 wurde nach äußerst angestrengten Entwicklungs- und Anpassungsarbeiten im Dez. 1939 in die Bewaffnung der "Roten Armee" aufgenommen. Haupteinsatzgebiet war zu diesem Zeitpunkt die Panzertechnik. Es gab anfänglich folgende drei Modifikationen des W-2:

- der W-2-34 für den mittleren Panzer T-34, mit einer Leistung von 368 kW (500 PS) und einer garantierte Laufleistung von 150 Motorstunden
- der W-2K für den schweren Panzer KW und
- der W-2W für den Artillerieschlepper.

Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges produzierte allein das Tscheljabinsker Trakto-renwerk 48.500 Motoren vom Typ W-2. Dieser Motor wurde während des Krieges außer dem noch in Werken in Swerdlowsk und in Barnaul produziert. Leider sind mir von diesen Werken keine Produktionszahlen bekannt. Nach dem Krieg wurde der W-2-Motor auch im Wolgograder Traktorenwerk produziert.

Der modernste Dieselmotor, der im Tscheljabinsker Traktorenwerk auf der Basis des W-2 bis in die Gegenwart produziert wird, ist der Motor mit Turbokompressor vom Typ W-92S2 mit einer Leistung von 735 kW (1.000 PS), der im Panzer T-90S einge-baut ist. In der Entwicklung im Tscheljabinsker Traktorenwerk befindet sich ein Pan-zermotor mit einer Leistung von 882 kW (1.200 PS), der logischerweise auch auf dem W-2 basiert.
Bildquelle des W-92S2: Quelle: http://chtz-uraltrac.ru/files/publ/parad_05_06.pdf

Der Motor W-2 und seine Modifikationen waren und sind heute noch in großer Zahl sowohl als 12-Zylinder als auch als 6-Zylinder in militärischer und ziviler Technik im Einsatz, so u. a.:

- in den mittleren Panzern T-44, t-54, T-55, T-62, T-72 und T-90
- in dem Schwimmpanzer PT-76 und in dem Ketten-SPW 50 PK (6-Zylinder)
- in verschiedenen Selbstfahrlafetten
- in Artilleriezugmaschinen, Berge- und Kranpanzern, Brückenlegepanzer, Pio-niermaschinen (BAT, BTM, MDK)
- in militärischen Wasserfahrzeugen aller Art, so u. a. in Torpedobooten
- in schweren Basis-Kfz, wie z. B. MAZ-525, MAZ 535, MAZ-543, MAZ 547, MAZ-7310 u.a., für operativ-taktische Raketen und Mittelstreckenraketen, für Ge-schoßwerfer, für Fla-Raketen, für Küstenraketen, für Spezialfahrzeuge wie z. B. Flugplatzfeuerwehren u.a.
- als Notstromaggregate auf Flugplätzen (6-Zylinder)
- in zivilen Flußschiffen aller Art
- in Erdölbohranlagen und
- in Diesellokomotiven usw.


Nun zum Nebel auf dem Video von www.youtube.com

Im Bestand der Volksmarine der DDR befand sich das Küstenraketenregiment 18, daß mit der Küstenrakete P-21, Nato-Code: "Styx", US-Code: SS-N-2, auf dem Start-fahrzeug 3P51M (Basis-Kfz: MAZ-543M) ausgerüstet war. Der MAZ-543M war mit einem auf der Basis des W-2 entwickelten 12-Zylinder-Dieselmotor vom Typ D12A-525 ausgestattet, der über eine Leistung von 386 kW (525 PS) verfügte.

Meine Erfahrungen beim Anlassen von sowjetischen Panzern (T-34, T-54, T-55 usw.), die mit Versionen des W-2 ausgestattet waren, besagen, daß dann weißlicher bis in bläuliche reichender Qualm auftrat, wenn die Fahrzeuge noch nicht die ent-sprechende Betriebstemperatur hatten und unverbrannter Kraftstoff ausgestoßen wurde. Diese Erscheinung ist meiner Meinung nach vergleichbar mit der Funktionsweise der Thermonebelanlage (siehe unten). Ich denke dies ist auch in dem Video so zu sehen.

Weißliche bis bläuliche Auspuffgase traten auch auf, wenn die Panzer nach dem Vorwärmen mit dem eingebauten Vorwärmer angelassen wurden. In der NVA durften Panzer nur im Notfall kalt gestartet werden. Die weißliche bis bläuliche Verfärbung der Auspuffgase verlor sich im Verlaufe des Einsatzes, wenn der Motor keine technischen Mängel aufwies.

Die Armeeangehörigen wurden regelmäßig darüber belehrt, beim Anlassen von Panzern sich nicht neben den Auspuff zu stellen, weil beim Anlassen eine gewisse Menge von unverbrannten Dieselkraftstoff und Schmieröl aus dem Auspuff geschleudert wurde. Häufig haben sich bei Nichtbeachtung dieser Belehrung Armeeangehörige, insbesondere Vorgesetzte ihre Uniform "völlig versaut".

Übrigens waren die Panzer T-55 mit einer Thermonebelanlage (TDA) ausgerüstet, die Kraftstoff in die Auspuffgase einspritzte, damit konnte eine dichte, nicht durch-sichtige, weißliche Nebelwand erzeugt werden. Die meisten T-54 wurden später mit so einer Thermonebelanlage nachgerüstet.

Bekannt ist sicherlich allen Panzerleuten die Bedeutung dunkler bis schwarzer Abgase. In so einem Fall war die Kolben-Zylindergruppe vorzeitig verschließen oder die Frist bis zur Mittleren bzw. Hauptinstandsetzung war erreicht. Der vorzeitige Ver-schleiß der Kolben-Zylindergruppe war in den meisten Fällen einer nicht den Vor-schriften entsprechenden Nutzung in den vorgegebenen Temperaturbereichen ge-schuldet.

Verwendung von Schweröl
Nach meinen Erkenntnissen haben die sowjetischen Streitkräfte für Dieselfahrzeuge auch nur Dieselkraftstoff verwendet, erst recht für Spezialfahrzeug, um deren Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden. Im Nutzungsunterricht an der Panzerakademie haben wir auch die Besonderheiten der Nutzung der Panzertechnik unter niedrigsten Temperaturen gelehrt bekommen, warum weiß ich zwar nicht, denn die NVA wäre wohl nicht im hohen Norden zum Einsatz gekommen.

In den sowjetischen Streitkräften kamen drei verschiedene Dieselkraftstoffarten zum Einsatz:

- bei einer Lufttemperatur über 0° C - Sommerdiesel,
- bei einer Außentemperatur von 0°C bis -30° C - Winterdiesel und
- bei einer Außentemperatur bis zu -50°C Arktischer Diesel.

Im hohen Norden oder Fernen Osten stationierte Panzertruppenteile waren in Hallen untergebracht, die mit ÖL- und Wasservorwärmern ausgestattet waren. Vor der Inbetriebnahme der Fahrzeuge mußten die Besatzungen in einer kräftezehrenden Arbeit die vorgewärmten Betriebsmittel auffüllen. Solche ÖL- und Wasservorwärmer gab es auch in der KVP/NVA als sich noch T-34 ohne fahrzeuginterne Vorwärmanlage in der Ausrüstung befanden.

In einem Winterfeldlager vor Toren Moskaus haben wir einmal eine nächtliche Instandsetzungsübung bei -29° C mitgemacht. Bei der Entfaltung eines Werkstattwagens habe ich mir trotz Belehrung beim Auflegen des kalten Drahtseiles für den Kranausleger teilweise die Haut von der Hand gezogen, weil ich dies ohne Handschuh machen wollte.

Bei der Fahrausbildung mit Panzern hatte man trotz russischer Filzstiefel ganz schön kalte Füße bekommen, da die Panzer damals noch nicht über eine Heizung verfügten. Kurze Zeit nach der Rückkehr von täglichen Ausbildung bekamen wir alle Schüttelfrost, diese war dem Wärmeverlust geschuldet, den wir im Verlauf e der Ausbildung gar nicht gefühlt hatten.

Ich hoffe, ich konnte einige Fragen beantworten. Wann und wie die Verbände, Truppenteile und Einheiten der GSSD auf moderne Panzer umgerüstet wurden schreibe ich in einem extra Beitrag.

Panzermann

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Re: Rußfilter

Beitragvon Bolle » Dienstag 31. Januar 2012, 13:32

Wie gewohnt: Keine halben Sachen ;-)

Gruß,
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Re: Rußfilter

Beitragvon XS500 » Dienstag 31. Januar 2012, 16:04

Hallo Bolle,

da kann ich mich nur anschließen.

@Panzermann: genial, danke

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Re: Rußfilter

Beitragvon wernir » Dienstag 31. Januar 2012, 16:32

Danke für den ausführlichen Bericht.

Gruß wernir
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Re: Rußfilter

Beitragvon Mercedes-Diesel » Dienstag 31. Januar 2012, 22:10

Kann ich mich nur anschließen...so sind wir wieder um einiges schlauer geworden. Was ist eigentlich Arktischer Diesel?
Ab -23 Grad wird Diesel flockig, scheidet quasi Praffin aus. So wie ich heute las, ist dieses Aral Ultimate sogar bis -30 Grad flussfähig. Durch Zugabe von Petrolium / Benzin kriegt man den auch höher...das machen aber unsere HighTech Motore nicht mit. Der Flammpunkt geht rauf und beschert unkontrollierte Verbrennungen die ein Loch im Kolben bescheren...quasi einen Total Kolaps vom Triebwerk.
Da die Hochdruckpumpe moderner Diesel via Kraftstoff geschmiert werden, schrotte ich die auch in kürzester Zeit.
Wie umgeht man dass in den nordischen Ländern? Schließlich laufen da ja auch europäische Diesel. Gut, Filterwärmer ist klar, aber bei so tiefen Temperaturen ist da auch schluss. -()-
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Re: Rußfilter

Beitragvon Panzermann » Mittwoch 1. Februar 2012, 06:40

Hallo Mercedes-Diesel,

leider kann ich Dir die Zusammensetzung des "Arktischen Diesels" bzw. "Polardiesel" nicht nennen. Da bin ich kein Spezialist (T/S-Offizier) und meine Akademie geschlossen wurde. Aber beim Googlen habe ich folgendes gefunden:

"Polardiesel
In manchen Regionen Europas, in denen noch niedrigere Temperaturen zu erwarten sind (z. B. in Skandinavien), wird neben dem Winterdiesel noch Polardiesel angeboten. Hierbei handelt es sich um einen Dieselkraftstoff, der mit Hilfe weiterer Additive teilweise bis –40 °C nutzbar ist. Das allgemeine Lieferangebot beinhaltet dabei als Polardiesel eine Spezifikation mit CFPP von –33°C."
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Winterdiesel (abgerufen am 01.02.2012 07:39)

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