Crawinkler Mühlsteinbrüche

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Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon kps » Samstag 9. Mai 2020, 11:13

Ich möchte hiermit versuchen, das Thema "Crawinkler Mühlsteinbrüche" aus der Diskussion um Kreise am Kienberg herauszulösen. -> viewtopic.php?f=32&t=5992&start=25

Nach aktuellem Stand sind keine Mühlsteinbrüche direkt am Kienberg bekannt. Das Gestein dort ist nach meiner Ansicht weniger dazu geeignet, hochwertige Mühlsteine zu fertigen. Die bekannten Brüche am Kienberg sind unter den "Ureinwohnern" bekannt für Kiesabbau (auch minderwertig und salperhaltig) sowie als normaler Steinbruch für größere Steine als Baummaterial oder einfach nor größerer Schotter. Die eigentlichen "Crawinkler Mühlsteinbüche" befanden sich nicht in der direkten Umgebung von Crawinkel. Die Mühlsteinhauer mussten größere Strecken zurücklegen und übernachteten teilweise auch gleich in den Brüchen und wurden von den Kindern der Familie regelmäßig mit Essen etc. versorgt.

Ich bin Vorsitzender des Fördervereins Alte Mühe e.V. in Crawinkel. Dem Mühlsteingewerbe als uraltes Handwerk in Crawinkel haben wir eine Dauerausstellung gewidmet. Nach Bedarf kann ich dazu Führungen in der Mühle anbieten.

Im Jahre 1519 wurden zum ersten Male Crawinkler Mühlsteine urkundlich genannt. Die Steinbrüche lagen weit ab in der Lütsche und am Borzel. 1875 gab es im Ort noch elf Mühlsteinhauerwerkstätten, die zusammen jährlich über 600 Mühlsteine anfertigten. Im Gemeindezentrum "Alte Müh­le" wurde 2012 das deutschlandweit einzige Mühlsteinhauermuseum eingerich­tet, das unter anderem der Tradition dieses alten und für Crawinkel typischen Handwerks gewidmet ist. Weiterhin bedeutend waren die Crawinkler Instrumentenbauer mit ihren typischen Thüringer Geigen und Zistern beziehungsweise Zithern in Form der heute fast vergessene "Thüringer Waldzither" (Kastenhalslaute). Auch dazu gibt es in der Mühle eine Ausstellung sowie auch über die Geschichte des Waffenstillstandswaggons.

Anbei einige Fotos aus dem Hofbereich der Alten Mühle und aus der Ausstellung.

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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon kps » Samstag 9. Mai 2020, 11:17

Fotos aus dem Innebereich der Ausstellungen in der Mühle

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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche und Mühlsteine

Beitragvon kps » Samstag 9. Mai 2020, 11:22

Und hier ein Beispiel der Mühlsteine aus Crawinkel direkt vor der Mühle. Wer durch Crawinkel mit offenen Augen geht, kann noch sehr viele weitere Mühlsteine wiederfinden, die teilweise in Fundamenten verbaut wurden oder Hausecken als Grundstein bzw. Radabweiser.

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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon Augustiner » Donnerstag 14. Mai 2020, 16:08

Sehr interessant und danke für's Einstellen.
Wenn man sich ein wenig in dieses Mühlsteinthema einliest, wird einem erst die Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung und das große handwerkliche Können der "Steinhauer" bewusst.
Die Crawinkler Mühlsteine waren wohl europaweit begehrt und in ihrer Beschaffenheit einzigartig.

Für mich besteht dieser Steinbruch am Großen Gabelloch durchaus aus rötlichem Porphyr, ich bin aber kein Geologe.
Auf Euren Museumstafeln wird eine Gewinnung von Mühlsteinen am Kienberg ja auch nicht ausgeschlossen ?
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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon Augustiner » Donnerstag 14. Mai 2020, 16:59

Diese geologische Karte habe ich in den Tiefen der Festplatte gefunden; keine Jahresangabe, keine Legende.

Neu ist eigentlich nur der Eintrag "Kupfergrube". Mit den eingetragenen Hieroglyphen kann ich auch nichts anfangen.

Demnach liegt "mein" Mühlsteinbruch auch nicht besonders glücklich.
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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon kps » Donnerstag 14. Mai 2020, 20:52

Augustiner hat geschrieben:Sehr interessant und danke für's Einstellen.
Wenn man sich ein wenig in dieses Mühlsteinthema einliest, wird einem erst die Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung und das große handwerkliche Können der "Steinhauer" bewusst.
Die Crawinkler Mühlsteine waren wohl europaweit begehrt und in ihrer Beschaffenheit einzigartig.

Für mich besteht dieser Steinbruch am Großen Gabelloch durchaus aus rötlichem Porphyr, ich bin aber kein Geologe.
Auf Euren Museumstafeln wird eine Gewinnung von Mühlsteinen am Kienberg ja auch nicht ausgeschlossen ?


Richtig - Kurz übertrieben zusammengefasst: Ohne Mühlsteine kein Mehl und ohne Mehl kein Brot.
Das alte Prinzip geht auf Handdrehmühlen zurück und viele Tausende Jahre vorher auf Handreibsteine.

Die Steinsburg bei Römhild hat im Archiv Steine von Handdrehmühlen, die sich in die s.g. Crawinkler Steinbrüche zurückverfolgen lassen. Allerdings läuft die Nutzungszeit auf die vorchristliche bzw. keltische Zeit zurück.

Bild
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Handdrehm%C3%BChle

Beim Bild bitte nur auf die beiden Steine und das Drehprinzip achten.


Vergessen habe ich zu erwähnen, dass wir im Vereinsshop auf http://www.cravunkele.de auch eine DVD haben für 13,90 € inkl. Versand. :-x

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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon kps » Donnerstag 14. Mai 2020, 22:21

Augustiner hat geschrieben:Diese geologische Karte habe ich in den Tiefen der Festplatte gefunden; keine Jahresangabe, keine Legende.

Neu ist eigentlich nur der Eintrag "Kupfergrube". Mit den eingetragenen Hieroglyphen kann ich auch nichts anfangen.

Demnach liegt "mein" Mühlsteinbruch auch nicht besonders glücklich.


Hallo Augustiner - Dein "Steinbruch" ist auch auf 5230_Oberhof von 1898 als St.Br. Allerdings liegt er direkt an der Grenze von Porphyr zum Schotter. Er ist geradezu mickrig zu den bekannten Mühlsteinbrüchen in der Lütsche. Daher habe ich dir das Mühl in deiner Handskizze gestrichen.

Im besagten Steinbruch ist das sichtbare Gestein sehr brüchig und es krümelt immer noch sehr. Hier Fotos unter anderem direkt neben dem besagten Gleis (das ist schon wieder eine andere Geschichte).

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Re: Crawinkler Mühlsteinbrüche

Beitragvon kps » Donnerstag 14. Mai 2020, 22:25

Dem entgegen möchte ich ein Zitat von Johann Wolfgang Goethe setzen. Die besagte Qualität unbd Eigenschaft der Mühlsteine aus Crawinkel war weit über die Grenzen von Thüringen sowie Europa bekannt und geschätzt. Daher mußten die Mühlsteinhauer weite Wege gehen und sehr geschickt arbeiten.

Unser Vereinsmitglied und Bürgermeister von Ohrdruf, Stefan Schambach, fand einst eher durch Zufall einen weiteren kleinen Puzzlestein zur Geschichte des Crawinkler Mühlsteingewerbes. Kein geringerer als Johann Wolfgang Goethe pries in einem am 27. Juni 1813 in Teplitz geschriebenen Brief an seinen Sohn August die Crawinkler Mühlsteine. Hier heißt es:
„So auch treibe ich meinen alten Spaß noch immer fort, in jeder Mühle nachzufragen, wo sie ihre Mühlsteine hernehmen, und dieses giebt mir eine schnellere Übersicht der Geologie des Landes, als man denken könnte. Ihr Thüringer könnt euch noch immer glücklich schätzen, dass ihr eure Mühlsteine von Crawinkel ziehn könnt.“


VG
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PS: Eigentlich müßten wir das Thema in den Bereich Bergbau verschieben. Den hatte ich vorher gar nicht gesehen [-nich-] -[nix]-
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