sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

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sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon kps » Montag 21. November 2011, 07:19

kps: Die Hubschrauber aus Weimar sollen sehr oft zum Übungsschießen zum TrÜbPl Ohrdruf geflogen sein. Der Tambuch soll dadurch die Hauptlast seiner Munitionsverseuchung haben. Wer weiß mehr?

Quelle: http://einestages.spiegel.de/static/top ... ebiet.html

Auszug: ...Seit den fünfziger Jahren hatte sich der Standort Nohra zum größten sowjetischen Flugplatz für militärische Helikopter in der DDR entwickelt. Die Rote Armee hatte den Platz, der schon von den Truppen des Kaiserreiches, später von den Nationalsozialisten und kurzzeitig nach dem Krieg auch von den Amerikanern genutzt worden war, 1945 übernommen und in den Folgejahren zu einem ihrer wichtigsten Stützpunkte in Deutschland ausgebaut...

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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Mercedes-Diesel » Montag 21. November 2011, 08:08

kps hat geschrieben:kps: Die Hubschrauber aus Weimar sollen sehr oft zum Übungsschießen zum TrÜbPl Ohrdruf geflogen sein. Der Tambuch soll dadurch die Hauptlast seiner Munitionsverseuchung haben. Wer weiß mehr?
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Ist richtig, fliegen da noch ettliche Raketenmotore von den Hubi`s drin herum...

Zu dem Artikel selbst, dass war nicht nur in der damaligen DDR so. Umgekehrt waren die Staaten des Warschauer Paktes auch sehr fleißig im Westen unterwegs. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie damals am Fliegerhorst (ich hatte Wache) ein Fahrzeug mit russischem Kennzeichen, sehr sehr langsam vorbeifuhr. Dieses löste Alarm aus und die Feldjäger rückten aus um das Fahrzeug zu stellen. Ob dass auch solche Verfolgungsjagten auslöste, kann ich nun nicht sagen...aber dürfte mit angrenzender Sicherheit sich auch nichts genommen haben.
So lag in den Wachvorschriften sehr deutlich (dass wurde auch immer bei der Vergatterung erwähnt) solche Beobachtungen, Fahrzeuge oder sich seltsam verhaltende Person außerhalb der Kaserne, sofort dem Wachhabenden Offizier zu Melden. So etwas zog immer einen internen "Alarm" nach sich.
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Wiesel » Montag 21. November 2011, 15:04

Richtig die Hubschrauber vom typ Mil-Mi 24 und Mil-Mi 8 /Mil-Mi 17) flogen meist aus Richtung Nord auf den Übungsplatz ein. Ziel war der Waldesrand vom Tambuch zum Dreieck. dort waren Hartziele und Pappziele aufgestellt.

Aber auch aus Richtung Westen wurde eingeflogen, war jeden Tag (vor allem Abends) gut zu beobachten. Die Helis haben damals trotz Gefechtsübung ihre Positionslampen an.

Geschossen wurde mit ungelenkten 57mm Luft-Boden Raketen vom Typ S-5, sowie der 30mm Bordkanone. Des seltenen wurde auch Bomben vom Typ FAB-250 und FAB-500 abgeworfen. Die Mi-24 ist der mir einzig Bekannte Kampfhubschrauber der auch Bomben in seine Bewaffnung aufnehmen konnte.

Gelenkte Luft Boden Raketen sucht man auf den Platz allerdings vergebens.

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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Silko » Montag 21. November 2011, 15:06

Mercedes-Diesel hat geschrieben:Zu dem Artikel selbst, dass war nicht nur in der damaligen DDR so. Umgekehrt waren die Staaten des Warschauer Paktes auch sehr fleißig im Westen unterwegs.

Steht ja da auch drin -> MVM in allen Zonen. Selbst in Berlin gab es die; da nannten die sich aber Militärinspektion (MI). Kommen - kucken - knipsen - wegfahren. Wegen des Quasi-diplomatischen Status konnte man die nicht direkt am Wegfahren hindern, aber einen SPW direkt davor und dahinter zu parken wirkte da schon Wunder. :D
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Joe » Montag 21. November 2011, 17:13

Mercedes-Diesel hat geschrieben:fliegen da noch ettliche Raketenmotore von den Hubi`s drin herum...


Weshalb man da nicht ohne Moskitoschutz herumlaufen soll. Die Stechen ganz fürchterlich :D


Einige hängen auch noch in den Baumwipfeln oder stecken, wie auf dem Bild, im Boden. Andere liegen einfach flach unter und auf dem Laub. Aber die alten Granaten sind da wohl schlimmer.

Gruß
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Wiesel » Montag 21. November 2011, 18:07

Bei den Granaten weiß man jedenfalls womit man es zu tun hat.

RPG-7 mit Übungsköpfen und scharfe RPG-2 Blindgänger.

Hier und da findet man auch mal ein paar 155mm Art.-Geschosse.

Selbst wenn es mich reizen würde das Gelände dort zu durchforschen ist mir das zu heiß.

Die Feuerwehr vom TrÜbPl. hat Schneißen in den Wald gezogen von wo aus Waldbrände bekämpft werden können. Das Betreten des Tambuchs ist auch der Feuerwehr und der Geländebetreuung streng verboten.

Aufgrund von Souvenirjägern und der von dem Gebiet ausgehenden gefahr wird dieser Bereich besonders häufig bestreift.

So wie ich es erfahren habe sind schon einige Souvenirjäger mit nen Raketenmotor in der Hand auf dem Gelände erwischt worden. Auch wenn die Motoren meist ausgebrannt sind zählen sie unter das Kriegswaffenkontrollgesetzt. Jeder der damit erwischt wird, wird wie ein Terrorist behandelt weshalb ich auch Abstand von diesem Gebiet halte. Man weiß nie wen man begegnet.
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Mercedes-Diesel » Montag 21. November 2011, 18:58

Joe hat geschrieben:Einige hängen auch noch in den Baumwipfeln oder stecken, wie auf dem Bild, im Boden. Andere liegen einfach flach unter und auf dem Laub. Aber die alten Granaten sind da wohl schlimmer.
Gruß
Joe


Wohl war....der auf dem Bild lag im Graben neben dem Weg und wurde durch mich aufgestellt (nachdem ich unseren begleitenden Kampfmittelräumdienstler gefragt hatte was das ist )...ich bin zwar mutig aber nicht blöde :D Wir haben dann mit dem Fernglas, vom Weg, mal ins Areal rein geschaut...da fliegt noch allerhand drin rum. Da einen Fuß rein zu setzen....man muss wahrlich lebensmüde sein.

Wiesel hat geschrieben:Selbst wenn es mich reizen würde das Gelände dort zu durchforschen ist mir das zu heiß.


ferundschaftlicher Rat ? ...lass es lieber, sei den du bist scharf auf einen AOK Chopper...bestenfalls :D

Wiesel hat geschrieben:Aufgrund von Souvenirjägern und der von dem Gebiet ausgehenden gefahr wird dieser Bereich besonders häufig bestreift.
So wie ich es erfahren habe sind schon einige Souvenirjäger mit nen Raketenmotor in der Hand auf dem Gelände erwischt worden. Auch wenn die Motoren meist ausgebrannt sind zählen sie unter das Kriegswaffenkontrollgesetzt. Jeder der damit erwischt wird, wird wie ein Terrorist behandelt weshalb ich auch Abstand von diesem Gebiet halte. Man weiß nie wen man begegnet.


Die doofen sterben halt nicht aus, da kann ich über solchen Leichtsinn nur den Kopf schütteln. Was willste außerdem damit.. -()- es ist Kriegs Schrott. In unserer Gruppe sind keine Militaria Sammler...da legen wir sehr großen Wert drauf. Wer so was sucht ist bei uns definitiv falsch und wäre nur einmal und dann nie wieder mit uns unterwegs.
Das einzige was wir mitnehmen...sind Bilder...sonst nichts...egal was wir finden oder sehen. Man muss nicht alles einsacken..es gibt noch andere Gruppen die sich an Dingen, egal welcher Art, erfreuen sollen.
Wenn wir auf den Platz gehen, haben wir immer eine Begleitung der BW dabei...und dass ist auch gut so. Viele Fragen die sich ergeben, werden somit auch gleich vor Ort beantwortet.
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Wiesel » Dienstag 22. November 2011, 14:53

Ja wie gesagt,

man muss wirklich Lebensmüde sein oder sein Leben bereits aufgegeben haben um in dieses Gebiet zu gehen.

Man darf nicht vergessen, die Russen spielten auch mit Prototypen rum die es nie zur Serienereihe geschafft haben. Bei manchen Granaten / Raketen weiß man nicht womit man es zu tun hat.

mfg
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Panzermann » Sonntag 18. Dezember 2011, 17:28

Hallo kps und wiesel,

ich habe beim Stöbern im Forum Eure Fragen zu diesem Thema entdeckt.

In dem zitierten Auszug aus dem SPIEGEL ONLINE Artikel "Kalter Krieg Showdown im Sperrgebiet" aus dem Jahre 1980 heißt es "Seit den fünfziger Jahren hatte sich der Standort Nohra zum größten sowjetischen Flugplatz für militärische Helikopter in der DDR entwickelt." Dies stimmt so nicht, denn auf dem sowjetischen Militärflugplatz Nohra waren nicht mehr Hubschrauber stationiert als z. B. in Allstedt, Parchim oder Mahlwinkel. Es ist vielmehr so, daß die größte Hubschrauberbasis der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland der sowjetische Militärflugplatz Stendal-Borstel war, auf dem ab 1987 u. a. zwei Hubschrauberregimenter stationiert waren. Nohra war, nach meinen Erkenntnissen, nicht einmal der erste sowjetische Militärflugplatz auf dem ein Hubschrauberregiment stationiert war. Die ersten Kampfhubschrauberregimenter waren stationiert:

- für die 2. Garde-Panzerarmee das 172. Selbstständige Kampfhubschrauberregiment (172 обвп) in Parchim 1973
- für die 3. Stoßarmee das 178. Selbstständige Kampfhubschrauberregiment (178 обвп) in Stendal-Borstel 1974

Das für die 8. Gardearmee bestimmte 336. Kampfhubschrauberregiment wurde erst im Mai 1975 in Nohra stationiert. Später kam noch die 268. Selbstständige Staffel Aufklärungsdrohnen (268 отдельная эскадрилья беспилотных летательных аппаратов – 268 oэбпла) mit 4 Aufklärungsdrohnen vom Typ WR-3 "Reis" hinzu.

Nachfolgend ein Auszug aus dem in der FLIEGER REVUE extra, Heft 24 abgedruckten Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", der auch zum Truppenübungsplatz Ohrdruf einen Hinweis enthält:

"Hauptmann Juri Kulikow diente von 1983 bis 1987 bei der 241. Hubschrauberstaffel (241. OWE OP) in Haßleben und äußerte sich gegenüber den Autoren: »Unsere Hubschrauberstaffel war der 39. Garde-Mot.-Schützendivision aus Ohrdruf unterstellt. Auftrag war die Feuerunterstützung bei Angriff und Verteidigung der Division. Auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf fand das Schießen mit Bordkanone, ungelenkten Raketen und der Bombenabwurf statt, der scharfe Schuß mit Panzerabwehrlenkraketen geschah auf dem Luft-Boden-Schießplatz Wittstock.«"

Zur Frage Welche sowjetischen Hubschrauber auch mit Bomben bestückt werden konnten, hier an dieser Stelle nur so viel, selbst der kleine Mehrzweckhubschrauber Mi-2 konnte bereits mit zwei 100-kg-Bomben bestückt werden. Nachfolgend z. B. die Bewaffnung des Mi-8TW:

> 1 12,7-mm-MG A-12,7 mit 700 Patronen,
> 6 Panzerabwehrlenkraketen,
> 6 Blöcke UB-32 A (je 32 ungelenkte Luft-Boden-Raketen S-5 (57-mm) oder
> 6 Bomben je 250 kg oder
> 2 Bomben 500 kg oder
> Kombinationen
> auch Brandbehälter.

Im Verlaufe der nächsten Woche werde ich wahrscheinlich im Forum: "Jonastal u. weitere Umgebung nach 1945- russische und DDR-Nachnutzung" einen Beitrag unter der Überschrift "Die Armeefliegerkräfte der GSSD" ins Forum stellen und auf einige Fragen näher eingehen.

Panzermann
[wer.der.]
Zuletzt geändert von Panzermann am Sonntag 18. Dezember 2011, 17:30, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Formatierung
Nur wer die Geschichte kennt, der versteht auch die Gegenwart. Die Geschichte ist keine Schiefertafel auf der man beliebig etwas hinzuschreiben oder wegradieren kann.
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon kps » Sonntag 18. Dezember 2011, 18:15

Danke Panzermann - solche Infos sind sachlich und quellenbasiert. So was brauch ich.

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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon geige » Sonntag 18. Dezember 2011, 18:47

Damit kann man etwas anfangen,das sind sehr Detallierte,und Fundamentierte Ergebnisse Deiner Arbeit Danke Panzermann
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Re: sowjetische Militärflugplatz Nohra in Thüringen

Beitragvon Wiesel » Montag 26. Dezember 2011, 14:07

Das mit den Bomben kann ich bestätigen:)

Habe auch schon mehrere Bomben vom Typ: FAB-250 und FAB 500 auf dem TrÜbPl gesehen. Sind meist nur noch die Bombengerüste davon übrig.

Die 57mm Raketen wachsen im Tambuch ja wie Pilze:) Bezeichung der Raketenköpfe ist "BБ-5" (WB-5) nach meiner Recherche sind dies Betonköpfe.

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