Kernwaffendepot Lychen II

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Kernwaffendepot Lychen II

Beitragvon MunaUede » Sonntag 29. Januar 2012, 20:23

Quelle: http://www.nordkurier.de/cmlink/nordkur ... e-1.382865 29.01.2012

Kernwaffendepot: Brisante Einblicke in eine Tabuzone
Eine neue Broschüre beschreibt die Entstehung des Kernwaffendepots Lychen II und seine mögliche Funktionsweise im Ernstfall. Was wäre wohl dann aus dem uckermärkischen Feriengebiet geworden?

Uckermark (nk)

Urlauber, die zu DDR-Zeiten zwischen Lychen und Himmelpfort vom „rechten Weg“ abkamen, konnten urplötzlich in der schönsten Natur uniformierten Wachposten der sowjetischen Streitkräfte gegenüberstehen. Mehrstufige Sicherheitsanlagen umschlossen ein circa einhundert Hektar großes Areal. Dass sich dahinter eine „Marmeladenfabrik“ befinden soll, wie offizielle Stellen neugierigen Anwohnern einreden wollten, glaubte kaum jemand. Ob ihnen die tatsächliche Gefahr bewusst gewesen ist, in der sie seit Ende der 1960er Jahren bis zum Ende der DDR schwebten?

Nur wenige Eingeweihte soll es auf deutscher Seite gegeben haben, die wussten, was sich in den von Prenzlauer Baupionieren errichteten ober- und unterirdischen Anlagen befunden hat. „Vom Dezember 1968 bis zur besenreinen Übergabe im Jahr 1991 hat wohl kein Deutscher mehr einen Fuß auf dieses Gelände setzen dürfen“, vermutet Dr. Volker Eckart. Erst mit dem Abzug der Truppen kam nach und nach das brisante Geheimnis ans Licht: Inmitten der idyllischen Naturparklandschaft lagerte der Tod in Form von atomaren Sprengköpfen für die Raketentruppen der NVA und der sowjetischen Streitkräfte.

Hobbyhistoriker beschäftigt sich mit Militärgeschichte

Der pensionierte wissenschaftlich-technische Mitarbeiter der PCK Raffinerie in Schwedt, der in Röpersdorf lebende Dr. Volker Eckart, hat sich als Hobbyhistoriker intensiv mit der Militärgeschichte im Norden Brandenburgs beschäftigt. Er kennt viele der geheimnisvollen Orte, deren Geschichte teilweise bis heute „geheime Verschlusssache“ geblieben sind. Rundgänge durch ehemalige Militärobjekte erfreuten sich in den zurückliegenden Jahren zwar einer großen Beliebtheit. Selbst bei jenen, die dort zu Zeiten des Kalten Krieges ihren Dienst verrichteten. Doch viele von den ehemaligen sowjetischen Soldaten und Offizieren fühlen sich bis heute, mehr als zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges, noch immer der Verschwiegenheit verpflichtet.

Der Militärhistorische Verein Nordbrandenburg versuchte unter Vorsitz des inzwischen verstorbenen Oberstleutnant a.D. Dirk Heuschkel die Geschichte der geheimnisvollen Orte zu erhellen. Ihm widmete Ekart auch seine aktuell vorliegende Publikation. Als Heft 25 der „Broschürenreihe zur deutschen Geschichte“ des Sundwerbung-Verlages ist soeben Ekarts Band „Kernwaffendepot Lychen II - Geheimnisvolle Verschlusssache“ erschienen. In zahlreichen Texten, Fotos, Grafiken und Zeichnungen trägt der Autor – einem Puzzel gleich – Informationen zusammen, die spannende Einblicke in die „Parallelwelt“ der Militärs im Urlaubsgebiet zwischen Templin, Lychen, Himmelpfort und Fürstenberg ermöglichen.

Keine Führungen mehr durch das ehemalige Depot

Die beiden großen Militärmächte hatten Mitteleuropa als Schlachtfeld für einen 3. Weltkrieg erkoren. Der erste massive Kernwaffenschlag der Armeen der Warschauer Vertragsstaaten musste den Gegner vernichten. Was wäre dann aus dem uckermärkischen Feriengebiet, aus Mitteleuropa geworden?

Führungen durch das ehemalige Kernwaffendepot sind heute nicht mehr möglich. Der Landkreis Oberhavel als neuer Besitzer hat die Maßgabe, die oberirdischen Gebäude „zu schreddern“ und das Material zum Verfüllen der Bunkeranlagen einzusetzen, bedauert Eckart. Allerdings ist es ihm gelungen, die Geschichte in Wort und Bild für die Nachwelt festzuhalten. Zu beziehen ist die Broschüre direkt über den Verlag.
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Re: Kernwaffendepot Lychen II

Beitragvon Panzermann » Montag 30. Januar 2012, 08:19

Hallo Munaede,

großen Dank für Deinen Tip zur Broschüre "Kernwaffendepot Lychen-II". Ich habe gleich ein Exemplar bestellt.

Da dieses Kernwaffenlager im gleichen Zeitraum, zum gleichen Zweck und im gleichen Zusammenhang wie das Kernwaffenlager Linda bei Stolzenhain von der DDR im errichtet worden ist, kann man davon ausgehen, daß viele Informationen wahrscheinlich auch auf Linda zutreffen. In beiden Lagern wurden die, im Falle eines Krieges, für die NVA vorgesehenen Kernsprengköpfe für TR und OTR in Verantwortlichkeit der sowjetischen Streitkräfte gelagert. Ein Lagerung von Kernsprengköpfen für die GSSD kann in beiden Lagern nicht ausgeschlossen werden.

Gruß

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