, wie mit Panzern geschossen wird und irgendwo am Berg Granaten einschlagen. Sie blicken den Flugbahnen der Geschosse nach, zucken bei den Explosionen kurz zusammen und staunen. Was viele vergessen: Wäre die Situation ein Ernstfall, wären hier Menschen ums Leben gekommen.

Die nächste Vorführung versetzt die Besucher um rund zweihundert Jahre zurück. Deutschland im Jahr 1813, die napoleonischen Befreiungskriege toben. Nachgestellt ist die Szene um ein kleines Dorf – „Es könnte überall in Deutschland liegen“, erklärt Bernd Wyrwoll von der „AG Befreiungskrieg 1813“ aus Finsterwalde. Er ist mit zwölf Kameraden angereist, um bei der historischen Schlachtszene mitzuwirken. Auch Bernd Maier aus Weil der Stadt bei Stuttgart und seine Bürgergarde tragen französische Uniformen – Seite an Seite kämpfen wehrhistorische Verbände aus der ganzen Republik. Als Sachsen, Preußen, Russen und Franzosen treten sie gegeneinander an.

Zurück: Ein Dorf ist den Händen der Preußen und Russen, die Franzosen ziehen vorbei und wollen ein Nachtlager errichten, werden jedoch zurückgedrängt.

Zurück zur Neuzeit
Bei einer statischen Waffenschau erkunden unterdessen die Kleinsten der Kleinen Panzer spielerisch: Soldaten heben Kinder durch Luken, erklären Waffensysteme und technische Details. Nicht hinterfragt werden jedoch die Einsätze der Panzer – viel zu interessant ist der große tarnfarbene Abenteuerspielplatz. Papa, Opa oder auch der große Bruder graben inzwischen ihren Armee-Erlebnisse hervor. „Weißt du noch damals…" ist vielleicht der häufigste Satzanfang an diesem Samstag.

Wie es sich anfühlt, mit einem Panzer oder auch einem schweren Lkw durchs Gelände zu donnern, erfahren die Besucher bei Hauptfeldwebel Ronald Willig: Mit insgesamt 13 Fahrzeugen – Lkw zwischen fünf und zehn Tonnen, und einem Transportpanzer Fuchs begeben sich die Neugierigen auf einen Parcours von knapp drei Kilometer Länge. Das Interesse ist riesig: Allein rund 400 Besucher haben bis halb zwei am Nachmittag eine Rundfahrt absolviert, so Willig.

Auf dem Festplatz spielen unterdessen das Wehrbereichsmusikkorps aus Erfurt, das Blasorchester Wölfis und der Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr Ohrdruf. Zahleiche Vereine sind mit Ständen vertreten, so auch der Reservistenverband und die Polizei, die sich mit ihrer Spielstraße vor allem um die Kleinen kümmerte. Sechs- bis siebentausend Besucher, hieß es in einer inoffiziellen Schätzung am Nachmittag, andere sprachen gar von achttausend Neugierigen. Zu Hunderten hatten die Besucher auf dem Parkplatz der Ohrdrufer Gartenstadt gewartet – von hier aus erfolgte der Transfer ins Areal mit Shuttle-Bussen. Zu gefährlich sei ein individuelles Betreten des Geländes, noch immer seien viele Teile mit Minen und Munition vergangener Zeiten verseucht, weist die Bundeswehr hin. Außerdem wird bei den Vorführungen mit scharfer Munition geschossen.

Im Wandel der Zeiten
Knapp 5000 Hektar umfasst der Übungsplatz bei Ohrdruf, 3200 Hektar davon werden als Übungsfläche genutzt. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt rund zwölf Kilometer, in Nord-Süd-Richtung sind es immerhin noch sechs Kilometer. Abgeschirmt durch einen Zaun warnen außerdem große Schilder vor dem Betreten des Geländes: Militärisches Sperrgebiet. Immerhin 650 Soldaten können im Truppenlager untergebracht werden, 300 weitere in einem Biwak.

Die wechselvolle Geschichte des Platzes dokumentiert eine Ausstellung der Interessengemeinschaft Schloss Ehrenstein: Bereits ab 1871 wurde das Gebiet um Ohrdruf als Manövergelände durch Kavallerieeinheiten genutzt. Um 1900 wies schließlich das Herzogliche Gothaische Vermessungsamt die anzukaufende Fläche für den Truppenübungsplatz mit 4632 Hektar aus, am 3. April 1906 beschloss der Reichstag den Erwerb des Geländes und die Einrichtung eines Truppenübungsplatzes. Während des ersten Weltkrieges wurde der Platz auch Kriegsgefangenenlanger genutzt. Vor allem Gefangene aus Frankreich waren hier untergebracht. Geheimnisvoll, umstritten, aber auch traurig gestaltete sich die Geschichte des Truppenübungsplatzes während der Hitler-Diktatur: Neben einer neuen Kaserne wurde 1941 und 1942 ein Lager für russische Kriegsgefangene eingerichtet. Im Herbst 1944 übernahm dann die SS das Truppenlager und errichtete ein Außenlager für das Konzentrationslager Buchenwald. Im Jonastal entstand ein umfangreiches Stollensystem, das noch heute für jede Menge Gesprächsstoff sorgt: Lagerte hier das verschwundene Bernsteinzimmer? Arbeiteten Forscher hier an „Hitlers Bombe“? Fragen, auf die es für manche bis heute noch keine endgültige Antwort gibt. Im April 1945 besetzte die 6. US-Armee das Gelände und durchsuchte alles gründlich – doch die Diskussionen dauern an.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gelände durch die Rote Armee, aber auch durch die Nationale Volksarmee genutzt. Hier fanden Artillerie- und Raketen-Artillerie-Übungen sowie Panzer- und Infanterieschießausbildungen statt. Der Schießplatz wurde außerdem für Kampfhubschrauber und die Panzerfahrausbildung genutzt. 1993 wurde das Gelände durch die Bundeswehr übernommen. Heute wird der Truppenübungsplatz Ohrdruf neben wechselnden Truppenteilen und Dienststellen von der Panzeraufklärungtruppe ständig genutzt. Das Gelände blickt damit auf eine 100-jährige militärische Nutzung zurück. Da das Gelände als Sperrgebiet nicht zugänglich war und ist, konnte sich außerdem eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt ausbilden. Obwohl das Gebiet starken Belastungen ausgesetzt ist, gedeihen hier seltene Orchideen, es kommen rare Insekten vor.

Geschichte in Buchform
Die Geschichte des Truppenübungsplatzes haben die beiden Ohrdrufer Manfred Ständer und Peter Schmidt recherchiert. Pünktlich zum Jubiläum ist ihr Sachbuch „100 Jahre Truppenübungsplatz Ohrdruf 1906 – 2006“ erschienen. Auf über 300 Seiten stellen sie die Geschichte von der Kaiserzeit bis heute anhand von Fotos und Texten dar. Das Buch ist im Geiger-Verlag erschienen und kostet 22 Euro.

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