Professor, Uwe Keyser von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig rückte am 6. Februar mit Historiker Karlsch bei Hauptmann Andreas König auf dem Ohrdrufer Truppenübungsplatz (TÜP) an. Keyser unternahm Messungen mit einem Neutronenmessgerät, um gefährliche Strahlungen nachweisen zu können, die jedoch nicht gefunden wurden. Des Weiteren wurden Erdproben genommen, die nun in der Bundesanstalt untersucht werden. König: Egal welches Ergebnis am Ende herauskommt, wichtig sei, dass die wilden Forschungen endlich aufhören. Der Kommandant des TÜP will nicht gänzlich ausschließen, dass es auf dem Gelände thermonukleare Versuche gegeben haben könnte. Bisher habe die Bundeswehr 2100 Hektar des militärischen Übungsgeländes beräumt. Entdeckt wurden nur einzelne Bunker, die als Beobachtungsposten galten und Stollen. Allerdings kann sich König nicht vorstellen, dass daraus eine Rakete abgeschossen wurde. Der Hauptmann will nun das Ergebnis der Erdproben von der Bundesanstalt abwarten.

Karlsch und Keyser hatten ein Fernsehteam des ZDF im Schlepptau, das über die Aktion auf dem Ohrdrufer Truppenübungsplatz in ihrer „History-Reihe" am 20. März um 19.30 Uhr berichten will. Es ist nicht das erste Mal, dass von angeblichen Kernwaffentests auf dem Ohrdrufer Truppenübungsplatz die Rede ist. Und der Hobbyhis-torikor Thomas Mehner ist sogar schneller als Karisch: Am kommenden Mittwoch wird seine neuestes Forschungen zur Lage unterirdischer Objekte im Arnstädter-Wechmarer-Ohrdrufer Gebiet sowie zur Atombomben-Technologie vorstellen. Veröffentlicht hat er dies unter dem Titel: „Geheime Reichssache - Thüringen und die deutsche Atombombe". Seit Jahren spürt Mehner Geheimnissen deutscher Kernforschung nach.

• Glaubwürdige Nachweise fehlen
Ob allerdings jemals die Nazis in Ohrdruf Kernwaffentests unternommen haben, darüber kann nur spekuliert werden, erklärt Bürgermeister Knut Kreuch aus Günthersleben-Wechmar. Fest steht, dass im Günthersleber Schloss in den Jahren 1944/ 45 die 6. SS-Gebirgsdivision stationiert war. Doch von Ra-keten-Zündungen ist weder im Gemeindearchiv etwas festgehalten, noch gibt es einen anderen glaubwürdigen Nachweis dafür, betont Kreuch.

Manfred Ständer vom Kulturamt der Stadtverwaltung Ohrdruf (Kreis Gotha) ist hinsichtlich neuer Erkenntnisse des Wirtschaftshistorikers Rainer Karlsch nichts bekannt. „Man sollte mit kühlem Kopf abwarten, was passiert", sagt Ständer, der zu diesem Thema schon einige Forscher hat kommen und gehen sehen: Historiker, die sich mit diesem Thema beschäftigten, wurden im Stadtarchiv Ohrdruf bisher jedenfalls nicht fündig. Ständer hat aber ein großes Interesse an allem, was sich um die Geschichte des Truppenübungsplatzes rankt: „Sollte Beweismaterial auftauchen, dann müsste sofort eine Ausstellung auf dem Truppenübungplatz gemacht werden."

S III Jonastal - das war die Tarnbezeichung des gesamten Bauvorhabens im Jonastal im Zweiten Weltkrieg. Mit den „mörderischen und höchst mysteriösen" Vorgängen haben sich im vor zwei Jahren auch Cedric Bickel und Sebastian Luck beschäftigt. Damals waren sie noch Abiturienten des Heinrich-Ehrhardt-Gymnasiums ihrer Heimatstadt Zella-Mehlis, Bettina Vogt ihre Seminarfachbetreuerin. Die Lehrerin erinnert sich noch gut an den Forschungseifer ihrer ehemaligen Schüler, „sie hätten aber am Ende noch ein halbes Jahr länger gebraucht, um all ihre Informationen zu gewichten", meint sie. Das ist Pädagogensicht: Bickel und Luck haben in erstaunlicher Breite all das zusammengetragen, was den Legenden um S III Jonastal bis heute Nahrung gibt.

Cedric Bickel ist inzwischen beim Bund - und als er gestern unterwegs von den vermeintlichen Atombomben-Versuchen zur Nazi-Zeit hörte, hat er gleich an die Mythen rund ums Jonastal gedacht. Im TLZ-Gespräch sagt er aber: „Wir können das nicht bestätigen. Es gibt keine Hinweise, die stichhaltig sind." Was es gibt, das sind Merkwürdigkeiten, erläutert Bickel: So sei 50 Jahre nach Kriegsende von den USA festgelegt worden, dass die Akten 30 weitere Jahre verschlossen bleiben. Und: „Von Ohrdruf gibt es überhaupt keine Akten." Das sei schon deshalb seltsam, „weil gerade bei der Armee eigentlich alles aufgeschrieben wird". In ihrer Seminarfacharbeit haben Bickel und Luck damals darauf verwiesen, dass der Bau einer Atombombe zu den „hartnäckigsten und am meisten verbreiteten Gerüchten" gehöre. So werde auch erzählt, dass im März 1945 angeblich zwei Atomtests auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf stattgefunden hätten. Dem liegt offenbar auch ein Brief eines Ingenieurs namens Adolf-Bernd Freier zu Grunde, der auf sechs Stollen verweist, in denen sich angeblichen auch technische Atomforschungsanlagen befunden haben sollen. Am 4. März 1945 soll demnach „die erste Atombombe gezündet" worden sein, „wobei viele Häftlinge ums Leben kamen". Bickel und Luck allerdings halten die Angaben Freiers für nicht der Realität entsprechend. Auch den Erinnerungen von Cläre Werner, ehemals Burgfrau auf der Wachsenburg, die am 4. März 1945 ein Leuchten wahrgenommen haben will - „hell wie hundert Blitze" - konnte aus Sicht von Bi-ckel und Luck den Atomtest nicht erhärten. „Es gibt praktisch keine greifbaren, wertvollen Hinweise auf eine Atomwaffenfabrik im Jonas-tal", so die jungen Thüringer. Die Aussagen weniger Zeitzeugen erachten sie als nicht erhärtet.

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