Prof. Dr. Ernst O. Göbel. Das Endergebnis der wissenschaftlichen Analyse ist derzeit offen.

Zu einem vorläufigen Befund kommt der PTB-Physiker Prof. Dr. Uwe Keyser nach ersten Testmessungen, die er im Neutronenstrahl am Forschungsreaktor in Geesthacht durchgeführt hat: Die Bodenproben enthalten die chemischen Elemente (genauer: Isotope) Uran-235 und Lithium-6. Solche Isotope werden beispielsweise für den Bau von Kernwaffen (Spaltungs- oder Fusionsbomben) benötigt, kommen aber auch in geringen Konzentrationen in der Natur vor. Grund genug, diese Proben in den kommenden Monaten sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Uwe Keyser legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass die vorliegenden Informationen keine Aussagen über eine mögliche Kernexplosion am Fundort erlauben.

Der bisherige Weg im Einzelnen: Anfang Februar 2005 wurden – mit Genehmigung und unter Aufsicht der Bundeswehr – in Ohrdruf offiziell Bodenproben entnommen. In versiegelten Gläsern kamen, auf Wunsch des ZDF, diese Proben und weitere, die bereits früher von der Bundeswehr aus größerer Bodentiefe entnommen worden waren, Anfang März in die PTB. Am Dienstag, 15. März, konnte Uwe Keyser dann in Geesthacht, wo kurzfristig ein Messplatz zur Verfügung stand, die erste Testmessung mit der Methode der Prompt-(n-Gamma)-Spektrometrie durchführen: Eine der Bodenproben wurde einem Neutronenstrahl ausgesetzt und die "Antwort der Probe" in einem Gamma-Spektrometer aufgefangen. In diesem Gamma-Spektrum hinterlassen alle Bestandteile der Probe einen charakteristischen Fingerabdruck - eine oder mehrere Linien des Spektrums stehen eindeutig für ein spezifisches Isotop. Sieht man genauer hin, zoomt man also in einen Teil des Spektrums hinein, dann wird aus jeder Linie eine Berg- und Talfahrt – jede Linienspitze ein Berggipfel. Die dabei von jedem Berg umschlossene Fläche ist ein Maß für die Menge eines Isotops, das in der Probe enthaltenen ist. "Aber", so Uwe Keyser, "quantitativ können wir noch keine Aussagen machen. Wir wollten nur erst einmal sehen, ob überhaupt etwas da ist." Und "etwas" war da, nämlich – neben hunderter anderer Linien – die typischen Fingerabdrücke von Uran-235 und Lithium-6. Eine zweite Probe, der auf dieselbe Weise ihr Gamma-Fingerabdruck entlockt wurde, gab qualitativ das gleiche Resultat.

Diese ersten Testmessungen geben der PTB den Startschuss für das volle Messprogramm: von chemischen Analysen bis zu kernphysikalischen Untersuchungen hinsichtlich aller radioaktiver Stoffe. Vor allem kommt es jetzt auf quantitative Aussagen an. Erst diese werden klären, ob die Menge der in den Proben enthaltenen Isotope noch in der Bandbreite der natürlichen Variation liegen – oder eben nicht. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

© Physikalisch-Technische Bundesanstalt
Erstellt: 2004-12-22 2004, letzte Änderung: 2004-03-21, Volker Großmann

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