In der Nacht zum 7. Oktober1910 stürzte in der Nähe des Bed’schen Schaffstalles auf der Horst die Erde ein. Eine bald darauf erfolgende genaue Untersuchung ergab eine Tiefe von 32 Meter. Der Durchmesser der Oeffnung betrug drei bis vier Meter. Die ungefähr senkrechten Wände sind durch Muschelkalkgeschiebe und dazwischen gelagerte Tonschichten gebildet. Heute sind die Wände stark nachgestürzt. Die Tiefe beträgt noch ungefähr 15 Meter, der Durchmesser hat sich auf 23 zu 35 Meter erweitert. Die unmittelbare Umgebung ist wegen des fortlaufenden Nachbröckelns gefährlich. Trotzdem ist es vor etlichen Jahren einem Röhrenseer Jäger gelungen, seinen Hund, der in die Tiefe gestürzt war, wieder daraus zu befreien.

 

Wenn man von diesem neusten Erdfalle aus an dem NO.-Hang nach NW. Weiterschreitet, so trifft man in ungefähr 300 Meter Entfernung einen einzelnen größeren, und 400 Meter von diesem weiter drei kleinere. Diese drei kleinen Fälle liegen in dem Kreuzgraben, den sich die Wasser vom Hl. Kreuze her gewaschen haben. Weitere 200 Meter nordwestlich treffen wir auf einer Anhöhe den zweitgrößten Fall mit ungefähr 15 Meter Tiefe und 36 Meter Durchmesser. Der zweitjüngste senkt sich 2 Meter tief am SO.-Rande des Hainholzes in die Erde; er misst vier Meter im Durchmesser und ist 1886 entstanden.

Nicht am NO.-Hange, sondern am Rande des Tambuchwaldes nahe dem Bittstädter Felde, finden wir den größten wahrscheinlich ältesten der Fälle auf dem Horstzuge. Sein größter Durchmesser beträgt über 40 Meter, seine Tiefe 15 Meter. Stattliche Bäume stehen auf seinem Grunde und legen Zeugnis von seinem hohen Alter ab. Alle diese Löcher sind wohl mit ziemlich steilen Wänden entstanden. Im Laufe der Jahre ist dann die Erde nachgestürzt und hat sie zum Teil ausgefüllt. Dabei entstanden die kennzeichnenden Trichterformen, die in manchen Fällen fast geometrisch genau gestaltet sind. Im allgemeinen stellt man sich die Entstehung der Erdfälle auf folgende Weise vor. In dem (kohlensauren) Muschelkalk sind häufig sogenannte (Schwefelsaure) Gipsnester eingelagert. Gips ist leicht löslich im Wasser. Werden sie nun von dem unterirdischem Wasser getroffen, so werden sie von diesem aufgesaugt und aufgelöst. So bildet sich eine unterirdische Höhlung. Ist die Decke sehr dünn, so bricht sie ein, und es entsteht dann ein Erdfall.

Diese Deutung dürfte aber nicht in allen Fällen zutreffen, wie es sich bei der Untersuchung des neuen Erdfalles gezeigt hat. Es fand sich nämlich nicht die geringste Spur von Gips, weder auf dem Boden, noch an den Wänden. Zwischen den Gesteinsschichten rieselte sehr wenig Wasser zum Grunde, allwo es versickerte. Wohl aber dürften Kalkschichten ausgelaugt sein, wodurch sich Höhlung gebildet hat.

Schaut man von dem neuen Erdfalle nach NW., so macht sich ein Längsbruch an dem Hange deutlich erkennbar. Mehrere Bäche haben sich im Laufe der Jahrtausende bis zu zehn Meter tiefe Wasserläufe gegraben und dabei die entstehenden Muschelkalkschichten durchgewaschen. Dadurch wurde der Zusammenhang der durchgehenden Schicht unterbrochen und diese stürzte zusammen. Dabei bildeten sich Verwerfungsspalten, in denen sich die Wasser sammelten. So gering auch nun diese Wassermengen waren, haben sie doch im Laufe langer Zeiten die Gesteinsschichten gelöst und sind die Ursache der Erdfälle geworden. So erklärt es sich wohl, dass diese Erdfälle in den Bachläufen sich gehäuft vorfinden und in der Nordwestrichtung aneinanderreihen.

Wohl alle Muschelkalkgebiete zeigen die gleichen Erscheinungen. In manchen dieser Gegenden sind die Erdfälle zu einem Teile mit Wasser angefüllt. Im Volke heißen sie dann „Grundslöcher“, d.h. grundlose Löcher. Unaufhörlich waschen und arbeiten die Wasser unter der Erdoberfläche. Wie sie bisher wirkten, wirken sie auch in Zukunft und bilden nach wie vor Erdfälle. Man braucht nicht gerade in einem Lande wie Japan zu wohnen wird doch zur Vorsicht gegen jenes Schillerwort in der „Glocke“ gemahnt, wo es heißt: „Fest in der Erde Grund.“ Mutter Erde hat auch anderswo manchmal ihre übeln Launen.

R. Heepe

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