chiven. Auch habe man sich bisher nur auf "große Namen", wie Heisenberg oder Weizsäcker konzentriert und dürfe die Befangenheit in der Wissenschaftspolitik nicht unterschätzen. Mit Blick auf Kapitel vier und fünf ("Kernwaffentests in Thüringen" und "Nachklänge") verwies der Autor darauf, dass ein Mehr an schriftlichen Quellen bislang "nicht drin" sei. Allerdings habe er auch aus dem Ausland, etwa Polen zahlreiche Verweise auf bislang unbekannte Literatur erhalten, die belegen, dass in der Region Ohrdruf "etwas passiert" sei.

Die These von der deutschen Atombombe, die Karlsch bei seiner Buchpräsentation im März aufstellte, war es, die nicht nur dort für kritische Reaktionen sorgte und das Missfallen der Fachwelt erregte. Auch in seiner abgeschwächten Form als "Atomgranate" stieß seine Vermutung bei einem Teil der Ohrdrufer Anwesenden auf Ablehnung, umso mehr, als Karlsch eingestand, dass das anfängliche Messgutachten zu einer möglichen erhöhten Strahlenbelastung gestoppt wurde und letztlich auch keine flächendeckende Untersuchung des heutigen Truppenübungsplatzgeländes möglich war. Am eigentlichen "Test" in Ohrdruf erhitzten sich die Gemüter. Während der langjährige Jonastalforscher Ulrich Brunzel noch vorsichtig auf "sehr problematische Aussagen" hinwies, konfrontierte der Geologe Klaus Schöllhorn Rainer Karlsch mit dessen widersprüchlichen Angaben zum Hochsicherheitsbereich des Testgeländes und der Fragwürdigkeit der zitierten Zeugenaussagen, die seiner Ansicht nach nicht kritisch genug bewertet wurden. Zeitzeuge Burkhard Neul aus Wölfis, der, wie der Verfasser als Gast des Vereins der Veranstaltung beiwohnte, äußerte erhebliche Bedenken an der Bombentheorie und dem "Hochsicherheitsbereich" des Truppenübungsplatzes. Der Historiker Rainer Fröbe schließlich, der sich eingehender mit der Person Hans Kammlers (seit 1944 "Beauftragter für Sonderbauten", Chef des Heeresbauwesens und seit Ende März 1945 "Generalbevollmächtigter des Führers für Strahlflugzeuge") befasste, wies schließlich auf zahlreiche falsche und fehlerhafte Quellenangaben und freie Interpretationen durch Karlsch hin. Wenn auch diese Aussagen wohl sachlich zutreffend waren, so offenbarte der teils polemische Unterton Fröbes doch, welche Emotionen das Buch bislang an den Tag brachte. Dass "Hitlers Bombe" trotz seines unglücklichen Titels bis heute auf Interesse stößt, zeigen die Reaktionen des In- und Auslandes. Während Russen und Amerikaner das Buch "zur Kenntnis" nahmen, und äußerten die Physiker in Los Alamos (USA) Kritik. Doch gerade die brächten ja die Diskussion voran, so Karlsch.

Mehr zur spannenden Diskussion und den Argumenten über das Für und Wider zur "deutschen Atombombe" im nächsten Heft des Vereins, das Ende August/Anfang September 2005 erscheint und in den bekannten Verkaufsstellen angeboten wird.

Hartmut Ellrich/
Historisches Projektmanagement

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