sse „keinen Befund“ für eine Kernexplosion.

So hat die PTB Gammaspektren der Proben auf der Suche nach unnatürlichen Radionukleiden untersucht. Begriffe, die auch dem Laien etwas sagen, wenn er an Tschernobyl denkt. Bei der Explosion des ukrainischen Atomkraftwerkes im April 1986 entstanden künstliche Radionukleide, die nach Deutschland herübergeweht wurden. Cäsium 137 gehörte dazu. Es kommt seit dem Reaktorunfall verbreitet in einer erhöhten Konzentration vor. So eben auch bei den Bodenproben von Ohrdruf. Mit einem Versuch der Nazis, wie ihn die inzwischen verstorbene Augenzeugin Cläre Werner Anfang März 1945 von der Wachsenburg aus beobachtet haben will, hat das nichts zu tun. Auch bei Uran wiesen die Bodenproben keine Besonderheiten auf.

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Bewiesen ist noch immer nichts

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So weit ist die Gefechtslage klar. Sie wird allerdings schnell wieder unübersichtlich. Dafür sorgen die Braunschweiger Nuklear-Spezialisten mit wissenschaftlicher Redlichkeit selbst. Ihre Stellungnahme endet mit zwei Sätzen, die aus dem klaren Befund mit Verweis auf die geringe Zahl der Proben ein eindeutiges Sowohl-Als-Auch machen: „Ein wissenschaftlicher Gegenbeweis zum behaupteten Kernwaffentest am Ende des Zweiten Weltkriegs kann aber weder mit dieser noch irgendeiner anderen Stichproben-Analyse erbracht werden. Eine endgültige Bewertung der historischen Zusammenhänge ist damit weiterhin offen.“ Da fällt einem nur noch Bertolt Brecht ein: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

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Autor Karlsch will
weitermachen
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Hauptmann König macht jetzt allerdings dicht. Für den Chef des Truppenübungsplatzes, über dem wie Nebel die Spekulationen um Bernsteinzimmer oder Hitlers Atombombe liegen, hat viele Jahre Langmut bewiesen. Er begleitete Experten über seinen Platz, Hobbyhistoriker, japanische Fernsehteams. „Wir haben uns nie gewehrt“, beteuert er, „aber es reicht irgendwann.“ Nur auf Befehl seiner Vorgesetzten werde er jetzt noch weitere Ermittlungen zulassen. Schon geraume Zeit wird der Truppenübungsplatz systematisch auf Blindgänger und damit auf alles Verdächtige über und unter der Erde untersucht. Rund die Hälfte des knapp 5000 Hektar großen Gebietes gilt demnach als beräumt – auch von Geheimnissen.

Historiker Karlsch wird dagegen weitermachen und hofft, vielleicht auch mit einer ausländischen Universität ein Forschungsprojekt ins Leben zu rufen. Die Untersuchung, in die er privat schon 40 000 Euro gesteckt hat, übersteigt allmählich seine Kräfte. Karlsch ist überzeugt, dass die Nazis eine Technologie besaßen, die Kernexplosionen auch mit geringen Mengen spaltbaren Materials möglich machte. Dass Deutschland zu wenig Uran besaß, war eines der Argumente gegen einen Kernwaffenversuch in Ohrdruf. Ein paar hundert Gramm würden aber ausreichen für eine „Hybrid-Bombe aus Spalt- und Fusionsstoffen“, wie sie sich Karlsch vorstellt. Noch in diesem Jahr plant er, darüber mit russischen und amerikanischen Kernwaffenexperten ein weiteres Buch zu veröffentlichen. Alles freilich will er nicht hineinschreiben, schließlich soll es keine Anleitung für die Heimwerker-Atombombe werden.

Wenn eine „Mini-Bombe“ damals wirklich möglich gewesen wäre – Geschichte ist nun einmal das, was war. In dieser Hinsicht bleiben die Forschungen etliches schuldig. Die Bodenproben wurden sogar zum Rohrkrepierer. Karlsch selbst allerdings trieb die Erwartungen, die er jetzt herunterspielen möchte, voriges Jahr so hoch.

Seine neueste Spur führt Karlsch erneut in ein russisches Archiv. Dort lagert angeblich ein von der Roten Armee erbeuteter deutscher Film, der im Katalog mit der Bezeichnung „Test einer Atombombe“ erfasst sei. Karlsch weiß, wo der Film lagert, er weiß, dass er in einem Spezialkoffer verpackt ist. Und warum hat er ihn nicht? „Wissen Sie, dass der Film bis heute nicht freigegeben ist, ist auch eine Frage der Summe.“ Welcher Summe? Na, sagt der Historiker und dämpft die Stimme: Es gehe um 200 000 Dollar.

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