ach müsste es für diese Zeit Berichte über einen Absprung eines Briten oder Kanadier geben. Weiterhin gehen wir davon aus, dass die Absturzstelle nicht nur von Crawinklern fotografiert wurde und so versteckt sich bestimmt noch in manchem Familien-Album das ein oder andere Foto. Bitte schauen Sie noch einmal genau nach.

Zeitzeugen aus Gossel, die seit 2003 befragt wurden, datierten den Absturz bisher auf den ungenauen Zeitraum Ende März – Anfang April 1944. Einige waren sich weiterhin sicher, dass es an einem Freitag passierte, weil z.B. der darauffolgende Tag arbeitsfrei war und so die Absturzstelle besichtigt werden konnte. Diese Attraktion ließen sich Viele nicht entgehen. Bei der daraufhin begonnen Recherche merkten wir aber ganz schnell, dass ohne ein genaues Absturzdatum kaum eine Identifizierung möglich sein würde. Zu viele Flugzeuge kamen in Frage, wobei sich nachweisbare Abstürze im Thüringer Raum zunächst auf den 24.03. (Angriff auf Berlin) und den 30.03. (Angriff auf Nürnberg) beschränkten. Zu dieser Zeit erfolgten noch nicht jeden Tag Angriffe auf deutsche Städte/ Ziele im Luftraum über Thüringen. Für den Bereich Gossel fand sich aber leider kein eindeutiger Eintrag in den britischen Verlustlisten (Bomber Command Looses) und so setzten wir zunächst weitere Hoffnung auf die im Boden vermuteten Flugzeugteile, die uns entscheidende Hinweise offenbaren sollten. Erst am 08.08.2005, am Tag der Bergungsarbeiten von Flugzeugteilen bei Gossel, trat ein Mann an die TA Redakteure vor Ort heran und teilte selbstsicher mit, dass dieses Flugzeug am 24. März 1944 abgestürzt war. Auch für mich als Leiter dieses Vereinsprojektes war diese Info neu, dass Datum kam mir aber bereits bekannt vor. Schauen wir noch kurz in die Geschichtsbücher und erfahren mehr über die im Zusammenhang stehenden, historischen Ereignisse an diesem Tag.

Freitag, 24.03.1944: Die Royal Air Force (RAF) verlor in der Nacht zum 25.03. beim 16. und bis dahin massivsten Angriff auf Berlin innerhalb der s.g. „Battle of Berlin“ (Schlacht um Berlin) insgesamt 72 Bomber von insgesamt 811 gestarteten Flugzeugen. Dieser Angriff forderte vom britischen Bomberkommando die zweithöchsten Verluste im 2. Weltkrieg nach einem Großangriff auf deutsche Großstädte. Durch unerwartet starken Wind geriet die Bomber-Formation vom Kurs ab, überflog beim Rückflug teilweise Thüringer Luftraum und die deutschen Nachtjäger und das heftige Abwehrfeuer der deutschen Flak-Geschütze forderten ihre Opfer unter den Angreifern. Die Schlacht um Berlin, deren 2. Welle am 18.11.1943 begann, wurde nach dieser Katastrophe im März abgebrochen, nachdem am 30.03. beim Angriff auf Nürnberg von 795 gestarteten Flugzeugen 94 nicht mehr zurück kamen. Dies war der größte Verlust in nur einer einzigen Nacht für die Briten.

Nachdem die britischen Verlustlisten bisher nicht eindeutig waren, fanden nun befreundete Rechercheure in Unterlagen der Luftwaffe einen bestätigten Abschuß einer britischen Lancaster aus 6000m Höhe über Gossel. Demnach wurde Oberleutnant Dietrich Schmidt von der 8. Staffel des Nachtjagd-Geschwaders 1 für den 24.03.1944 der Abschuß um 23:06Uhr gutgeschrieben. Im Zusammenhang mit den geborgenen Überresten der Lancaster konnten wir nun aus der Vielzahl von Flugzeugen einen bestimmten Typ identifizieren, der im 2. Weltkrieg nur 300 mal von insgesamt 7.377 Lancaster-Flugzeugen gebaut wurde. Zieht man die nicht in Frage kommenden Typen und eindeutigen Abstürze von den britischen Verlusten an diesem Tag ab, so bleibt eigentlich nur noch eine Maschine übrig, die angeblich in der Nähe von Leipzig abgestürzt sein soll (Took off from Witchford at 18:49. Shot down by a night-fighter near Leipzig). Auf dieses Flugzeug konzentrieren sich nun die aktuellen Recherchen und nebenbei bemerkt, war der 24.03.1944 ein Freitag, was einige Zeitzeugen schon immer zu berichten wußten. Sollte der betroffene Bomber wirklich bei Gossel abgestürzt sein, so liegt der Ort ab heute in der „Nähe von Leipzig“ – den Bürgermeister und Einwohner freut es eventuell. Über die Ergebnisse der weiteren Recherchen werden wir an dieser Stelle wieder berichten – Fortsetzung folgt!

Klaus-Peter Schambach
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