Levi, die eine kollektive Chronik des von Diktatur, Krieg, Völkermord und Vertreibung gezeichneten 20. Jahrhunderts verfasst haben.

Schon in jungen Jahren wandert der Sohn eines jüdischen Viehhändlers durch Europa und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. 1938 emigriert Fritz Rosenblatt vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, wird interniert, flieht in die Schweiz, wird an die Behörden der Vichy-Regierung ausgeliefert und von Drancy nach Auschwitz deportiert. Am 7. März 1945 gelangt er mit einem Transport von Groß-Rosen nach Buchenwald und muss bis zur Evakuierung Anfang April 1945 im Außenlager S III Zwangsarbeit leisten. "... für alle Zeit", schreibt Wander im "Siebenten Brunnen", "wird der Duft des Waldes mir mit dem Brandgeruch vermischt sein und dem Bild der giftig-weißen Rauchpfoten auf den nackten Leibern der Toten von Crawinkel. [...] Daran erinnert mich WALD. (Thüringer Wald, deine Wurzeln nähren sich von ihrer Asche!)"

Nach der Befreiung Buchenwalds arbeitet Wander in Wien als Zeichner, Fotograf und Journalist. 1955 gehört er zusammen mit Erich Loest und Ralph Giordano zum ersten Jahrgang des Literaturinstituts "Johannes R. Becher" in Leipzig, übersiedelt 1958 mit seiner Frau Maxie Wander in die DDR und wohnt in der Villensiedlung Kleinmachnow. Die produktivste Phase seines Lebens beginnt: Fred Wander schreibt Kinderbücher, Erzählungen und Romane und wird mit dem Heinrich-Mann- und dem Theodor-Fontane-Preis geehrt.

1968 verunglückt die Tochter. 1976 erkrankt seine Frau an Krebs. In seinen Erinnerungen spart Fred Wander diese schlimme Phase seines Lebens weitgehend aus - "Alles in mir verschließt sich" - und zitiert statt dessen aus Maxies Tagebüchern und Briefen, die er 1980 in beiden Teilen Deutschlands herausgibt und die, wie zuvor bereits Maxie Wanders Porträts von DDR-Frauen "Guten Morgen, du Schöne", jeweils hohe Auflagen erzielen. Und abermals ist er auf der Flucht - diesmal vor der Erinnerung an die Familientragödie.

1983 verlässt Fred Wander die DDR wieder und kehrt in seine alte Heimat zurück. Er tritt aus der Kommunistischen Partei Österreichs aus, der er Jahrzehnte lang angehört hat. 1991 erscheint sein Buch "Hotel Baalbek" und fünf Jahre später die Autobiografie. "Auf dem Hintergrund meines Bewußtseins spiegeln sich die Bilder der Wanderschaft und des Schreckens, wie auf einer Leinwand", heißt es dort. "Im Traum ziehe ich immer noch untröstlich durch fremde, endlose Straßen." Fred Wander, der ahasverische Wanderer und Bewahrer, hat mit dem Tod seine Ruhe gefunden.


12.07.2006 Von Frank Quilitzsch

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