sowie Verbände der 90. Infanteriedivision. Erst am 31. März 1945 beschlossen der US-Oberbefehlshaber in Europa, General Dwight D. Eisenhower, und General Omar N. Bradtey den Angriff. Ein Grund waren den Amerikanern vorliegende Hinweise, dass sich wichtige NS-Kommandostellen nach Thüringen abgesetzt hatten. Die bereits weit nach Hessen vorgedrungene dritte US-Armee unter General George S. Patton erhielt für 24 Stunden freie Hand. In dieser Zeit sollte sie die thüringische Ortschaft Ohrdruf erreichen, wo sich nach Informationen eines deutschen Überläufers ein hochrangiges deutsches Hauptquartier oder eine Kommunikationszentrale befinden sollten.

"Der Vorstoß begann um 08.00 Uhr", hielt der Operations-Bericht fest. "Der Feind zerstörte planmäßig alle Brücken im Zuge des Vorstoßes mit dem Ergebnis, dass zwischen Dankmarshausen und Hörschel alle über die Werra führenden Brücken gesprengt wurden", so der Bericht weiter. In der Tat war die Operation keineswegs ungefährlich. Pattons dritte Armee entfernte sich weit von den kämpfenden US-Kerntruppen im Ruhrkessel und im Taunus.

Pattons Panzer konnten die Zeitvorgabe nicht einhalten. In den frühen Morgenstunden des Ostersonntags am 1. April 1945 hatten die US-Verbände die Werra bei Creuzburg erreicht, gaben jedoch die Überquerung nach dem Verlust von 4 Panzern und 21 Soldaten zunächst wieder auf. Auf Befehl des NS-Gauleiters war die Stadt zur Festung erklärt worden. Wie zuvor schon die Brücke Hörschel wurde auch die Brücke über die Werra bei Creuzburg vor den Augen der Amerikaner bei deren Eintreffen gesprengt. Im sinnlosen Bemühen, das Vorrücken der GIs aufzuhalten, ließen viele Menschen ihr Leben. Patton selbst, der sich bis zum 3. April auf Schloss Hohenhaus bei Nesselröden aufhielt, bezeichnete den Werraübergang später in seinen Memoiren als schwieriger denn die Überquerung des Rheines.

Etwa zur gleichen Zeit waren Panzerkräfte von Herleshausen nach Altefeld und Willershausen sowie über den Hachenberg nach Ifta vorgedrungen. Nach der kampflosen Übergabe Iftas konzentrierten sich auch diese Kräfte auf den Raum Creuzburg. Beim Beschuss versank nahezu der gesamte Ort in Schutt und Asche, wer sich retten konnte floh in die umliegenden Wälder. Erst am 2. April gelang es den Amerikanern, den Fluss bei Creuzburg und Spichra zu überqueren.

An Eisenach vorbei führte der Vorstoß direkt in den Raum Gotha und Suhl. Nach anfängli-chem Beschuss der Wartburgstadt, durch den auch Bach- und Lutherhaus getroffen wurden, verhinderte eine weiße Fahne auf dem Südturm der Wartburg, gehisst am Ostersonntag unter anderem unter Beteiligung der Familie des Burgvogtes Albin Töpfer, das Schlimmste. Gotha und Ohrdruf fielen am 4. April, einen Tag nachdem der deutsche Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, seine Zelte in Schloss Reinhardsbrunn abgebrochen hatte. Dass Gotha vor weitgehender Zerstörung bewahrt blieb, verdankte es Josef Ritter von Gadolla. Mit einer weißen Fahne auf der Kühlerhaube seines Jeeps war der standortälteste Offizier der Stadt den Amerikanern am Abend des 3. April in Richtung Sundhausen entgegengefahren, allerdings von Wehrmachtsverbänden abgefangen, nach Weimar transportiert und dort in der Nähe des Ettersberges standrechtlich erschossen worden. Ungeachtet dessen widersetzten sich, dem Beispiel Gadollas folgend, auch Bürgermeister und Stadtrat dem strikten Verteidigungsbefehl, in dem sie am 4. April die kampflose Kapitulation in Form einer Übergabe-Erklärung unterschrieben.

Seitdem hält sich die Annahme, dass US-Bomberverbände, die bereits im Anflug auf Gotha waren, stattdessen nach Norden abdrehten und ihre totbringende Last am 4. April in einer zweiten schweren Angriffswelle auf Nordhausen entluden. Für die Stadt am Harz wurden die letzten Tage des Krieges zu einem traurigen Fanal. Zu einem ersten leichteren Angriff war es bereits am Ostersonntag (1. April) gekommen. Bei den Bombardements in der Nacht vom 3. zum 4. April sowie am 4. April blieb kaum ein Stein auf dem anderen, Nordhausen wurde damit zur meist zerstörten Stadt in Thüringen. Die Überlebenden flüchteten in die umliegenden Ortschaften und in die Stollen des Kohnsteines. Tagelang loderten die Feuer, deren Schein weithin zu sehen war. Trotzdem riefen NS-Funktionäre noch am 10. April zum Durchhalten auf und bezeichneten weiße Fahnen als Schandfetzen.

Derweil brachte der Vorstoß der Amerikaner vielen Inhaftierten die Freiheit. Bei Lengefeld in der Nähe von Mühlhausen konnten US-Truppen am 4. April 400 britische Offiziere, darunter ein Oberst, die mit ihren Flugzeugen abgeschossen worden waren, befreien und ins bereits besetzte Hinterland nach Eschwege bringen. In Ohrdruf befreiten die Amerikaner am gleichern Tag mit dem so genannten Lager S III, einem Außenlager Buchenwalds, erstmals ein Konzentrationslager. Obwohl dieses KZ klein war im Vergleich zu den Vernichtungslagern im Osten, war die amerikanische Öffentlichkeit von den Entdeckungen schockiert. Der Operations-Report hielt die Reaktionen der Soldaten fest: "Kampferfahrene Veteranen, die dem Tod schon oft begegnet waren, blickten schweigend auf das Nazi-Schlachthaus. Mache weinten. Den Tod auf dem Schlachtfeld konnten sie verstehen. Dieses vorsätzliche, bestialische Morden aber ging über ihre Vorstellungskraft." Außerdem fand man bei Ohrdruf, in Betontunneln tief unter der Erde montiert, eine der wichtigsten NS-Nachrichtenzentralen, das Amt 10 mit immensen Funk- und Telefon-Vermittlungsstationen, laut Bericht "groß genug, um eine Stadt zu versorgen", sowie die ausgedehnten Stollenanlagen im Jonastal vor.

Immer wieder verhinderten mutige Menschen sinnlosen Tod und Zerstörung. In Zella-Mehlis fing der Pfarrer die Amerikaner am 4. April am Ortseingang mit einer weißen Fahne ab. Augenzeugen berichteten, danach sei er auf der Kühlerhaube eines Jeeps sitzend mit ihnen durch den Ort gefahren.

Ebenfalls am 4. April erreichten US-Spähtrupps die Wachsenburg bei Arnstadt. Zuvor hatten sowohl die Marlitt-Stadt als auch Witzleben und Crawinkel teils schwere Beschädigungen durch Bomben und Beschuss hinnehmen müssen. In Gräfenroda waren noch in den Apriltagen Brücken gesprengt worden und viele Menschen ums Leben gekommen. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankt die Region Cläre Werner, Burgwart a. D. der Wachsenburg, die die Amerikaner vom erneuten Beschuss Arnstadts und seiner kulturhistorischen Werte abhielt und ihnen zudem den Weg zu weiteren Außenlagern Buchenwalds wies.

Etwa zu dieser Zeit erhielt General Patton den Befehl, nach Erreichen der Linie Meiningen- Ohrdruf-Gotha-Mühlhausen stehenzubleiben und das Aufschließen der Ersten und Neunten Armee abzuwarten. Dadurch verzögerte sich der Vormarsch der Dritten Armee um mehrere Tage. Am 8. April standen die Spitzen der drei Corps an der befohlenen Linie in Thüringen. In dieser Zeit bis zum elften April sicherte Patton sein Hinterland. Immerhin waren seine Verbände an Eisenach vorbeigezogen, das nunmehr am Freitag nach Ostern (6. 4.) besetzt wurde. Dabei entwickelte sich noch eine Reihe kleinerer Gefechte mit versprengten Wehrmachtseinheiten. Zu den blutigsten zählten am 7. April die Kämpfe bei Struth und Dörna. Bei Dörna kamen 56 deutsche Soldaten um, 130 gingen in Gefangenschaft. Weitere 500 Gefangene waren es nach amerikanischen Quellen im Kampf um Struth, wo mehr als 250 deutsche Soldaten fielen, die Toten unter der Zivilbevölkerung nicht mitgerechnet. Nach Angaben von Zeitzeugen gingen die US-Truppen auch gegen die Einwohner des Höhendorfes vor, die Angst vor Wehrwolf-Aktionen saß tief.

Nun traf auch der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower, in Thüringen ein. Am 12. April besichtigte er im Kalibergwerk von Merkers in der Rhön dort eingelagerte Kunstschätze und Goldbarren, um dann das befreite Außenlager Ohrdruf des Konzentrationslagers Buchenwald in Augenschein zu nehmen.

Am 10. April stieß die erste US-Armee von Duderstadt kommend ins Eichsfeld vor. Erst jetzt begann die weitere Besetzung Nordthüringer Städte wie Heiligenstadt (9. 4.), Bleicherode (10. 4.) und Nordhausen (11. 4.), wo am gleichen Tag auch die Häftlinge des Konzentrationslager Mittelbau-Dora befreit wurde. Auch die dritte Armee nahm ihren Vormarsch entlang der Autobahn A 4 wieder auf. Damit begann der Vormarsch auf Erfurt, Weimar, Apolda, Jena und Gera.

Am 11. April 1945 erreichen die Amerikaner das zuvor von der SS verlassene KZ Buchenwald, dessen Verwaltung inzwischen von Häftlingen übernommen worden war. Am 12. April fielen Erfurt und Weimar. Während die Klassikerstadt kampflos übergeben wurde, tobten in Erfurt noch Häuserkämpfe. Am gleichen Tag durchqueren die Truppen das Weimarer Land, erreichen Bad Berka, Tannroda, Kranichfeld, von der Übergabe Blankenhains durch den Bürgermeister, der einem amerikanischen Spähpanzer mit weißer Fahne und Kapitulationsurkunde entgegenging, existiert sogar ein Foto. Jena, von Bombenangriffen ähnlich schwer gezeichnet wie Nordhausen, wurde am 13. April eingenommen. Einen Tag später fiel auch Gera.

General Patton hatte sich zu dieser Zeit in der Villa des geflohenen thürinigischen Gauleiters in Weimar einquartiert. Am 15. April inspizierte er das befreite Konzentrationslager Buchenwald. Noch am gleichen Abend befahl er, mindestens 1000 Einwohner Weimars zur Besichtigung auf den Ettersberg zu schicken, was am 16. April geschah. An diesem Tag erhielt das Hauptquartier der Dritten Armee neue Operationsdirektiven, die einen Schwenk nach Süden vorsahen. Am 16. April war auch der Rest Ostthüringens besetzt und die Eroberung des einstigen Mustergaus vollzogen.

Bis zum Abzug der amerikanischen Truppen aus Thüringen hielt das VIII. Corps den größten Teil des Landes besetzt, während die um Erfurt und in Nordthüringen liegenden Gebiete des preußischen Regierungsbezirkes Erfurt mit dem thüringischen Landkreis Sondershausen vom XXI. Corps besetzt waren, welches der Siebenten Armee unterstand. Im Harz, der am 8. April zur Festung erklärt worden war, zogen sich die Gefechte bis zum 23. April hin. Die Angriffs-Spitzen der amerikanischen Truppen hatten Thüringen zu diesem Zeitpunkt bereits lange hinter sich gelassen. Am 25. April 1945 reichten sich Amerikaner und Russen auf einer zerstörten Brücke an der Elbe bei Torgau symbolisch die Hände.

Probleme bereitete den rasch vorrückenden Armeen der Aufbau einer funktionierenden Militärverwaltung im Hinterland. Thüringen und Sachsen waren in Jalta im Februar 1945 der Sowjetunion zugesprochen worden. Deshalb hatten die USA keine Vorkehrungen für eine Verwaltung der Gebiete getroffen. Erschwerend hinzu kam der Abzug von Truppen zum Kriegsschauplatz im Fernen Osten. Als Anfang Juni bis dahin zurückgehaltene Informationen über die Übergabe Thüringens an die Sowjetunion durchsickerten, flohen viele Thüringer in den Westen.

Thomas ROTHBART.Hanno MÜLLER.


01.04.2005

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