Inferno am Kriegsende – 06.02.1945 in Friedrichroda – vom 07.02.2005

Quelle: Thüringer Landeszeitung am 07.02.05

Inferno am Kriegsende

Friedrichroda. (tlz/bau) Als der Zweite Weltkrieg in Europa beinahe zu Ende war, erreichte das Inferno Friedrichroda: Anglo-amerikanische Bomberverbände schütteten einen Teil ihrer tödlichen Last über der Stadt aus. Wie auch Ohrdruf, Gotha und Waltershausen war Friedrichroda am 6. Februar 1945 Ziel eines Luftangriffes.

Gestern gedachten die Friedrichrodaer den 135 Opfern, die der Angriff gefordert hatte. Praktisch jeder Friedrichrodaer, der Angriff miterlebt hatte, kannte eines oder mehrere der Opfer, blickte Bürgermeister Klaus Henniges (SPD) gestern zurück. Er selbst war gerade fünf Jahre jung, als die Bomben einschlugen. Für viele Bewohner der Stadt verbinden sich persönliche Erinnerungen mit dem Tag. „Die Mutter holte uns aus dem Kino“, erinnert sich Knut Ortlepp. Sie habe auf dem Heimweg umgedreht, weil sie im Westwind die Waltershäuser Sirenen gehört habe. Hätte der Wind anders gestanden, wäre sie weiter gegangen und in den Trümmern des zerbombten Hauses gestorben, wie fünf andere Menschen – darunter auch Flüchtlinge aus München und Wuppertal.

Plastisch vor Augen führte Pfarrer Kunze im Gedenkgottesdienst den verheerenden Tag. Verlesen wurden Aufzeichnungen des Friedrichrodaer Pfarrers aus dem Jahre 1945. An dem von Günter Reichardt geschaffenen Denkmal, das auf einem Sammelgrab steht, legte Bürgermeister Henniges ein Blumengebinde nieder.

Andere Zeugnisse haben die Friedrichrodaer täglich vor Augen: Baulücken in der August-Eckhardt-Straße, Lindenstraße und Struthsgasse zeugen von den Zerstörungen. Insgesamt 74 Häuser wurden verwüstet, über 300 Gebäude wurden beschädigt. Unter den Opfern waren 29 Kinder.

06.02.2005