Thüringer Allgemeine, Lokalteil Arnstadt vom 13.03.2002

Leserpost: Es geht ja doch nur um wirtschaftliche Interessen

Natürlich, liebe Anwohner des Jonastals in Arnstadt, denken wir auch an Sie. Es geht gar nicht darum, ob im Jonastal genauso viele Leute wie in Gossel wohnen und ob die Gossler Anwohner durch Ihre Straße fahren. Es geht auch nicht darum, dass die Gossler durch den Truppenübungsplatz und den Flughafen Lärm haben, den Sie nicht haben. Sie vergessen, dass jetzt kein Schwerlastverkehr durch das jonastal rollt, den es dann in Gossel und Espenfeld geben wird. Wanderungen für Erholungssuchende auf dem Plateau sind passe. Muss man anderen das wünschen, was man selbst nicht möchte? Es gelingt durch dieses Verhalten, uns zu spalten Lind denen, die diesen Unsinn wollen, Erfolg zu verschaffen.

Natürlich, lieber Bürgermeister Gundermann, verfolgt jeder persönliche Ziele. Der Bürgermeister von Gossel möchte gern eine Tankstelle und Kosten für den Winterdienst sparen, die Besitzer der Gaststätte vielleicht Fernfahrer als Gäste.

Es geht nicht um die Alleebäume. Es geht nicht um die Menschen. Es geht um knallharte wirtschaftliche Interessen. Deshalb werden die Machbarkeitsstudien genau das Ergebnis ausweisen, was der Auftraggeber will. Es gibt keine neutralen Gutachten. Ich behaupte, dass niemand ernsthaft eine Lösung zur Erhaltung der bisherigen Straße sucht. Wer die letzten Wochen das Jonastal beobachtet hat, kann an den Kalkhängen Kahlschlag beobachten. Die gefällten Bäume der Allee sollen nicht aufgeforstet werden, weil es keine Verpflichtung gäbe. Im Jonastal abseits der Straße fahren immer mehr Jugendliche Motocross, ohne dass jemand etwas dagegen tut

Vielleicht ist das eigentliche, unausgesprochene Ziel, die Straße zum Zwecke der erweiterten militärischen Nutzung zu sperren und das Höhlensystem wieder zu aktivieren? Denn wenn es wirklich um Bäume und Menschen ginge, gäbe es eine ganz pragmatische, Kosten schonende Lösung für alle Beteiligten, die auch den Anwohnern im Jonastal Vorteile brächte: Der Verkehr nach Oberhof wird über die Autobahn und die B 247 umgeleitet. Eine direkte Ausschilderung des Ortes an der Arnstädter Kreuzung entfällt.

Parallel dazu saniert man die Brücken im Jonastal einspurig. Das wird preiswerter und sichert tatsächlich ab, dass LKW nicht trotz Verbotes die Straße befahren.

Mathias Hock von der Bürgerinitiative hat Recht: Wir dürfen nicht abwarten. Die Gutachten werden uns nicht helfen. Wir müssen uns verbünden, denn Verlierer sind wir am Ende alle: Menschen und die Natur. Das trifft Arnstädter wie Gossler gleich, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht.

Gabriele Rinke, Gossel