Freies Wort, Lokalteil Arnstadt vom 21.03.2002

BÜRGERINITIATIVE SUCHT DIAL0G

Bürgermeister: Diskussion läuft bereits öffentlich; also Betroffene mit einbeziehen

VON THOMAS KLÄMT

Die Stadtverwaltung in Arnstadt positioniert sich gegen eine neue Auto-Trasse über dem Jonastal und favorisiert den Erhalt der bestehenden Strecke durch die Schlucht.

ARNSTADT – Bürgermeister HansChristian Köllmer (ProA) bestätigte gestern gegenüber dieser Zeitung diesen Standpunkt, der in einem Schreiben (Freies Wort berichtete am Dienstag) auch dem zuständigen Büro der Voruntersuchung mitgeteilt worden war. Allerdings, dies räumte Köllmer gestern ein, komme der Stadt Amstadt hier keine Position der Entscheidung, sondern nur der Anhörung zu, da Thüringen der Bauherr ist. Nach der fachlichen Grundlage für diese Ablehnung einer neuen Trasse befragt, erklärte Köllmer, im Rathaus seien alle Varianten vorgestellt worden. Die Planungsabteilung habe sich anschließend damit befasst und den ablehnenden Standpunkt zu einer Trassenverlegung erarbeitet. Aus Sicht der Verwaltung werde einem Erhalt der jetzigen Straße Jonastal auf einem notwendigen technischen Stand eindeutig der Vorzug gegeben.

Köllmer traf am Dienstag auch mit dem Leiter der Sternwarte Espenfeld, Günter Loibl, zusammen. Der Bürgermeister bemüht sich nun um einen gemeinsamen Termin mit den Planern. Zu seinem Standpunkt bezüglich der aus Planerkreisen immer wieder benannten zu frühen Bürgerbeteiligung im jetzigen Stadium befragt, erklärte Köllmer. „Dann hätte man das Thema gar nicht erst öffentlich bekannt machen dürfen en. Jetzt ist es in der Öffentlichkeit drin, da muss man auch mit den Betroffenen reden.“ Die Verwaltungsstellungnahme zum Thema ist derzeit nicht durch den Stadtrat gedeckt. Köllmer geht davon aus, dass es vielleicht eine Willensbekundung dazu geben werde, rechtliche Bedeutung würde aber auch ein Ratsbeschluss nicht erlangen können.

Bei der Bürgerinitiative gegen die Schaffung einer neuen Trasse wird die Rückendeckung durch Arnstadt wohlwollend ankommen. Vorstandsmitglied Günter Loibl hatte am Montag bei einem Treffen mit Petra Heß Landtagsabgeordnete der SPD, auf die Bedeutung der Verkehrsruhe im Gelände oberhalb des Jonastals ,erwiesen. So wäre die Beobachtungsplattform der in die europäische Sonnenbeobachtung einbezogenen Sternwarte Espenfeld unmittelbar von Blendwirkung durch hier nachts fahrende Autos betroffen. Denn sie steht am höchsten südlichsten Punkt Espenfelds und der Südhimmel sei der interessantere in der Weltraumbetrachtung. Bei Fremdlichteinwirkung wäre die jetzige Beobachtungsgrundlage nicht mehr gegeben, lichtschwache Objekte könnten nicht mehr wahrgenommen werden. Der weitgereisteste Besucher des Observatoriums, ein Amerikaner, habe sich völlig überrascht zu dem hier relativ gut beobachtbaren Sternenhimmel geäußert, erklärte Loibl. Immerhin benötige ein von Licht geblendetes Auge etwa eine halbe Stunde um wieder feinste Wahrnehmungen zu realisieren, warnte er. Das seit dem Mittelalter unberührte Gottesholz bezeichnete der Stemwartenchef als eine „Perle des Gebiets“, das für den sanften Tourismus erhalten bleiben müsse. Es würden ja selbst für die neue Trasse schon mehrere Varianten diskutiert, verwarf Loibl jede davon als nicht akzeptabel und Entwertung der Landschaft.

Petra Heß bestätigte, auch die Mehrheit im Gemeinderat Crawinkel wolle, dass die Straße Jonastal bleibe, auch mit der jetzigen Tonnagebegrenzung. Motivation der Kreisbehörde – die die Straße in den nächsten Jahren übernehmen soll – einen Neubau zu unterstützen, sähe sie bestenfalls darin, dass ohne eigene Kosten eine schöne, neue Straße entstünde, die zudem einen kürzeren und damit billigeren Schulbusverkehr ermögliche. Diesbezüglich will Heß mit dem Landrat Kontakt aufnehmen. Sie sei sich jedenfalls keinesfalls sicher, dass die Reparatur der kleinen Brücken im Jonastal teurer sein würde, als eine völlig neue Trasse. Zu berücksichtigen seien auch die Verkehrsballungen dann am Arnstädter Kreisel, denn die neue Trasse würde bei Siegelbach auf die B4 geführt.

Mit Spannung erwartet wird jetzt auch ein angekündigtes Umweltverträglichkeitsgutachten.

Umweltgutachten soll Ende April fertig sein

Das allerdings sei noch mitten in Arbeit, sagte der Umweltamtsleiter der Kreisbehörde, Dr. Ulrich Strobel, diese Woche auf Anfrage von Freies Wort. Abgefragt worden seien bei ihm Naturschutzgebiete und Probleme des Trinkwasserschutzes. Seines Erachtens würden erst einmal Kosten der Varianten verglichen. Ihm sei auch klar, dass jede neue Trasse auch wieder Belastungen hervorrufe. „Auch eine Neutrassierung hat durchaus ihre Nachteile!“ Zu. einer Bewertung allerdings müssten erst alle Fakten auf den Tisch. Zu berücksichtigen sei auf alle Fälle, das bei einer Verseuchung des Trinkwasserbereichs Schönbrunn durch einen Unfall auf der alten Straße dann teureres Fernwasser eingekauft werden müsste. Das hiesige Trinkwasser kost: nur etwa 60 Prozent des Fernwassers.

Klaus Mensch, Sachgebietsleiter Allgemeine Planung im Straßenbauamt Thüringen, sagte diese Woche, es dauere noch bis Ende April, bis das Gutachten fertig sei. Im Juni solle dann frühestens eine Aussage dazu möglich sein. Erstmals stünden allerdings sogar Naturschützer hinter einer Neutrassierung, sah er Zustimmung aufgrund des Herausfallens des Verkehrs dann aus dem FaunaFlora-Habitat (FFH).

Die Bürgerinitiative setzt sich indes mit einem offenen Brief zur Wehr. Darin sieht sie genau das FFH Truppenübungsplatz bedroht, denn das Hochplateau um Gossel habe eine wichtige Verbindungsfunktion in dieser Frage und beheimate seltene Tier- und Pflanzenarten, das Totalreservat Gottesholz und trockene Hangbereiche. Die Zerschneidungswirkung wäre nicht ausgleichbar. Hingegen hätte sich die Natur im Jonastal am Rande des dortigen FFH-Gebiets im Laufe der Jahrzehnte an der Straße etabliert.

Die BI führt auch erhöhte Aufwändungen für den Winterdienst im Falle der neuen Trasse aufgrund der zu projektierenden Hanglagen an. Gewässerschutz im Jonastal könne mit Verbot von Gefahrguttransporten realisiert werden. Kritisiert wird auch der politische Schaden durch mögliche Steuergeldverwendung für zweifelhafte Projekte. Die BI fordert alle Entscheidungsträger auf, mit ihr in Dialog zu treten.

Quelle: http://www.espenfeld-gossel.de