Euch der Lorbeer – Unser die Pflicht – vom 09.01.2004

(c) Thüringer Waldbote 01/04

Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 13.12.2003 in Wölfis, erlebten die Vereinsmitglieder und geladenen Gäste im öffentlichen Teil der Veranstaltung Heimatgeschichte durch Wort und Bild in beeindruckender Weise. Die Historikerin Frau Dr. Helga Raschke, die sich selbst als Ethnologin bezeichnet, präsentierte den gespannten Zuhörern ihr Lebenswerk bzw. ihre Forschungsergebnisse zum AUßENKOMMANDO S III UND DIE BAUVORHABEN IM JONASTAL und stellte sich anschließend der Diskussion mit den Mitgliedern des Vereins. In ihrer gleichnamigen Broschüre über die Auswirkungen eines der letzten und verzweifelten Versuche der Nationalsozialisten, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sich im Untergrund von Deutschland der Lufthoheit der Alliierten und deren ständigen Bombardements zu entziehen, beschreibt sie das Leiden der Häftlinge, die in den letzten Kriegsmonaten im Großraum Jonastal schufteten und starben. Nach eigenen Worten will sie damit den Opfern ein Denkmal setzen und ihren Beitrag gegen das Vergessen liefern.

Im Laufe der Veranstaltung zeigte sich daher schnell, dass durch eine Zusammenarbeit mit dem Verein dieses Ziel weiter verfolgt werden kann. Daher ist der zukünftige Informations- und Erfahrungsaustausch mit der GTGJ selbstverständlich. Der in der Satzung fest verankerte Zweck des Vereins ist ebenfalls die Aufarbeitung und Dokumentation der geschichtlichen Vorgänge in Bezug auf das während des Zweiten Weltkrieges im Großraum Jonastal und dessen Umfeld betriebene Sonderbauvorhaben S III. Dies betrifft das Schicksal der eingesetzten Häftlinge ebenso wie Fragen zur damit verbundenen Zeit-, Technologie-und Militärgeschichte. Der Verein verfolgt keinerlei politische Absichten bzw. Ziele und wendet sich bei seiner Arbeit gegen radikale und extremistische Gesinnungen jeglicher Art. Zur Vereinsarbeit gehört unter anderem auch die Denkmalpflege im Jonastal und das regelmäßige Gedenken an all die Opfer, was sich schon bald zu einer Tradition weiter entwickeln soll.

Leider war es an diesem Tag aufgrund des Dauerregens nicht möglich, wie geplant die baulichen Überreste der nahegelegenen Luftmunitionsanstalt Crawinkel zu besichtigen, die ebenfalls ein schreckliches Geheimnis in sich birgt. Auch hier wurde gegen Kriegsende eines der Außenlager von S III errichtet und nach den Beschreibungen der wenigen Überlebenden waren die Verhältnisse im Lager fast mit keinem anderen Lager vergleichbar. Das Fehlen einer erfahrenen Lagerverwaltung, nicht vorhandene sanitäre Einrichtungen, mangelhafte Verpflegung, zu geringe ärztliche Versorgung und u.a. Erdbunker zur Unterkunft führten in Verbindung mit dem mörderischen Arbeitstempo, unmenschlichen Arbeitsbedingungen und menschenverachtenden Drangsalationen zu einer überdurchschnittlichen Todesrate im Lager.

Daher empfanden es die Teilnehmer der Veranstaltung in Wölfis mehr als gelungen, dass durch das Vorstandsmitglied Klaus-Peter Schambach, für alle Fälle ein Vortrag über die Muna mit beeindruckenden Bildern und Informationen als Ersatz vorbereitet wurde. Weitere Themen wie die s.g. Kott-Fotos über die ehemalige Baustellen im Jonastal (Archiv Gedenkstätte Buchenwald) sowie ein alter Schmalfilm über Ohrdruf ließen daher keine lange Weile aufkommen. Ein gemeinsames Mittagessen, welches durch den Verein gesponsert wurde, schloss den öffentlichen Teil der Veranstaltung ab.

Der Veranstaltungsort Wölfis wurde übrigens nicht zufällig gewählt. Der Verein ist schon seit langer Zeit auf der Suche nach eigenen Vereinsräumen, die sich auch für die Errichtung eines Jonastal-Museums sowie als Gedenkstätte eignen. Nachdem nun die Suche auch außerhalb von Arnstadt fortgesetzt wurde, ergab sich in Wölfis die Möglichkeit, den Mitgliedern entsprechende Räumlichkeiten in der Arnstädter Straße (ehemals Forsthaus Hüter) vorzustellen. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile hatten dann die anwesenden Mitglieder beschlossen, hier die dringend benötigten Räume als provisorisches Vereinshaus anzumieten. Im Mittelpunkt des Vereinsinteresses bleibt aber weiterhin die geplante Niederlassung in Arnstadt, falls sich dort geeignete Räume finden lassen.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal besonders bei Frau Dr. Raschke dafür bedanken, dass sie diesen Vormittag gemeinsam mit uns verbrachte. Unser Dank gilt weiterhin der Familie Brand für die Vermietung an den Verein und die Bewirtung zum Mittag durch den MST Catering Service.

Falls Sie weitere Informationen über die Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal wünschen, so steht Ihnen ebenfalls seit dem 13.12.2003 die neue Internetplattform des Vereins über www.jona-stalverein.de für die aktive bzw. passive Mitarbeit zur Verfügung. Abschließend wollen wir es auch nicht vergessen zu erwähnen, dass wir ständig daran interessiert sind, weitere Informationen, Leihgaben oder Fundstücke zu erhalten, die wir in unser Museumskonzept einbinden können. Bitte setzen Sie sich daher mit uns in Verbindung, wenn Sie unsere Vereinsarbeit unterstützen möchten.