TA-SERIE (13): Zum 50. Jahrestag der Befreiung

FOLGE 13: Hätten die Alliierten seinerzeit einen besseren Geheimdienst gehabt, so wären ihre militärischen Operationen sicherlich wesentlich anders verlaufen. Das Nachrichtenzentrum in der Nähe von Ohrdruf, unbestritten neben „Zeppelin“ Zossen das wichtigste, war zwar von großer Bedeutung, aber nicht mehr kriegsentscheidend. Anders sah es da schon mit der neben Heisenberg berühmtesten deutschen Atomforschungsgruppe aus, die unter Leitung von Dr. Diebner in der Mittelschule Stadtilm an der Wunderwaffe bastelten, von der Hitler, je näher das Ende des Großdeutschen Reiches kam, immer öfter sprach. Außerdem waren da neben den zahlreichen deutschen Wissenschaftlern auch der Chef der Koordination des Reichsforschungsrates für die einzelnen Atomforschungsgruppen untereinander und derer gab es um die 20, Prof. Walter Gerlach, als Vertreter der Wissenschaftler für die Raketenabschüsse. Prof. Stuhlenberg, in Geraberg eine weitere Gruppe von Wissenschaftlern unter Leitung von Dr. Steurer und andere. Die Amerikaner, die um die Pläne Hitlers wußten, im speziellen aber völlig im Dunkeln tappten, gründeten aus diesem Grund das sogenannte ALSOS-Kommando, eine Spezialtruppe aus Kriminalisten und Wissenschaftlern, das die Aufgabe hatte, mit der kämpfenden Truppe vorzurücken und alle Fakten zu erfassen, die darauf hindeuteten, was die militärische Führung Deutschlands vorhatte. Es sprach für die außerordentliche Geheimhaltung der in unserer Region betriebenen Forschungstätigkeit, daß das berühmte ALSOS-Kommando schlichtweg keine Ahnung von der Gruppe Dr. Diebner und Prof. Walter Gerlach in Stadtilm hatte. Erst im Nachhinein machten sie Jagd auf diese Köpfe der deutschen Atomforschung und beschlagnahmten in Stadtilm Uranwürfel, Bleiwürfel, schweres Wasser und in ganz geringem Umfange Forschungsunterlagen, die das SS-Sonderkommando, das Diebner und Gerlach in Richtung „Alpenfestung“ weggebracht hatte, nicht mehr in der Eile mitnehmen konnte. Vergegenwärtigt man sich jedoch, was die Alliierten aufwanden, um Peenemünde und danach die Produktionsstätte der V-Waffen bei Nordhausen unschädlich zu machen, so ist nicht auszumalen, was im Umkreis von Stadtilm passiert wäre. Aber nicht genug damit: Die drei in unserer Region befindlichen Munitionslager in Crawinkel (bis Ende 1944), im Esbach bei Gehren und oberhalb der Schule Martinroda hätten mit der hier deponierten Menge an Granaten, Minen und Sondermunition eine Sprengkraft ergeben, die den Bomben von Hiroshima und Nagasaki sehr nahe kamen.

G. REMDT

Die Artikelserie von Gerhard Remdt, bestehend aus 21 Folgen zum 50. Jahrestag der Befreiung, erschien 1995 in der Thüringer Allgemeinen. Datum bisher nicht genau ermittelbar.