Jonastal – Da wackelt der Busch – vom 11.10.2005

Quelle: Thüringer Allgemeine – Arnstadt am 11.10.2005

Da wackelt der Busch

CRAWINKEL/ARNSTADT (mk). Eine goldene Oktobersonne hebt die Farben der Landschaft im Jonastal besonders hervor. Das ästhetische Bild runden die 320 unterschiedlich gefärbten Ziegen ab, die dort auf den Wiesen weiden und in ein einzigartiges Landschaftspflegeprogramm eingebunden sind. „Das Jonastal ist traditionell ein Weidegebiet für Schafe und Ziegen“, erklärte der Eigentümer der Herde, Heinz Bley von der Agrar GmbH Crawinkel. „Durch die Fortsetzung dieser traditionellen Hüteschafhaltung auf den Triften der Muschelkalk-Halbtrockenrasen sichern wir die Bewirtschaftung eines aus Naturschutzsicht sensiblen Naturraumes.“

Der Landwirt zeigte dabei auf den Großen und Kleinen Bienstein, die als „Flächendenkmale“ ausgewiesen sind. Mittlerweile setzte sich die Herde am Morgen dorthin in Bewegung, denn das Pferch liegt auf den Nachbarschaftsflächen des Jonastales.

Die beiden Hütehunde Ferry und Eddi seien bereits sehr, sehr unruhig, bemerkt Schäfermeister Erich Pillatzke. „Die brauchen die Bewegung“, sagt er, wobei er den dreijährigen Ferry ein wenig bremsen muss. Die Ziegen wollen nun die Straße im recht lebhaft befahrenen Jonastal überqueren, ein Helfer steht dabei, hält die Fahrze uge zurück, regelt für Minuten den Verkehr.

Die stattliche Herde mit 320 Tieren, darunter Burenziegen, Thüringer Waldziegen, Edelweißziegen sind seit März diesen Jahres hier draußen. „Es sind alles reine Mutterziegen“, sagt Pillatzke, „und wir nutzen die Herde für die Landschaftspflege, setzen sie gegen die Verbuschung in diesem Landschaftsgebiet ein. Denn die Vierbeiner gehen überall ´rein. Wenn die Ziege losgeht, wackelt der Busch“, so der scherzhafte Kommentar. Doch es ist in der Tat wirklich so. Der Schäfermeister aus dem Raum Gotha hat große Erfahrung, diesmal will er ja in Richtung Berge ziehen. „Auf den schmalen Pfaden oben bewegen sich die Tiere sehr sicher.“ In dem FFH-Gebiet (Fauna- und Flora-Habitat) wollte nach der Wende niemand so recht die Hütetradition weiterführen, erzählt wieder Heinz Bley. Er wagte es, und der Erfolg gab ihm Recht. In der Agrar GmbH Crawinkel habe man den 2000 Hektar großen Betrieb auf eine ganzjährige, extensive Freilandhaltung von Rindern und Pferden auf großen Standweiden umgestellt, merkte er an. Das Offenhalten der Landschaft durch extensive Nutzung mit großen Weidetieren sichert eine Vielzahl von Übergangsstadien zwischen Grasland und Wald.

Die 320 Ziegen mit ihrem Hirten bieten zudem ein wunderschönes Bild in der Natur. So mancher Autofahrer bremst ab, schaut sich mit Freude die mit Tieren „so gesprenkelten“ Berge an, denn dies war in den vergangenen Jahren eher ein seltenes Bild. Übrigens ist das die einzige Ziegenherde in Thüringen, die derzeit zum Landschaftschutz überhaupt eingesetzt worden ist.

10.10.2005