Straftat oder Kavaliersdelikt – sowohl Polizei als auch Bergamt tappen derzeit in der Beurteilung des Stollen-Gräbers im Jonastal bei Arnstadt noch im dunkeln (TA berichtete). Mindestens ein Jahr muß der Bau des etwa 40 Meter langen Ganges nach Ansicht von Fachleuten in Anspruch genommen haben, innerhalb einer einzigen Nacht wurde das Tunnelwerk zunichte gemacht. Allerdings nicht etwa von der Polizei bzw. Ordnungs- oder Bergamt. Dazu Oberkommissar Detlev Merkel von der Polizeiinspektion: „Die Täter hatten anscheinend Wind bekommen und den Eingang in der Nacht selber zugeschüttet.“

Mittlerweile ist Anzeige erstattet und der Fall an das zuständige Bergamt Bad Salzungen weitergeleitet worden. Den Tatbestand des illegalen Mineralienabbaus bezeichnet Horst Hoppert, dort verantwortlich unter anderem für unterirdische Hohlräume, jedoch nur als „erste ins unreine gesprochene Version“. Er verwies gestern gegenüber TA auf das laufende Verfahren: „Unsere Juristen prüfen derzeit noch, ob es hier nicht vielleicht auch nur um allgemein ordnungsrechtliche Dinge geht.“

In jedem Fall handelt es sich bei dem am Sonnabend gefaßten Täter um einen „Ortskundigen aus dem Gebiet Arnstadt“. Der Schatzsucher befindet sich aber wieder auf freiem Fuß. Bei seiner Vernehmung gab er an, aus Neugier gegraben zu haben, über Helfer schwieg er sich aus – immerhin hatte ein Jogger zwei Männer aus dem Stollen kriechen sehen . . .

Thomas BECKER

Quelle und Zeitpunkt der Veröffentlichung bisher nicht exakt ermittelbar; vrmtl. Thüringer Allgemeine im Frühjahr 1996