Jonastalstrasse – Verraten und verkauft – vom 30.03.2005

Quelle: Thüringer Allgemeine am 30.03.05

Verraten und verkauft

ARNSTADT. Das Plakat am Ortseingang lässt keinen Zweifel – die Espenfelder wehren sich dagegen, dass ihr Ort künftig den Verkehr schlucken soll, der zur Zeit noch von und nach Arnstadt durch das Jonastal rollt.

Warum die Espenfelder so vehement gegen die Lösung sind, wird eigentlich jedem Kraftfahrer bei Gegenverkehr klar. Selbst zwei Pkw haben Mühe, schadlos aneinander vorbei zu kommen. Spiegelberührung ist nicht auszuschließen. Kommt ein Lkw entgegen, bleibt nur die Flucht auf den Gehweg.

Sollte die Straße vom Abzweig in Siegelbach bis zur Einmündung ins Jonastal zur Landesstraße erklärt oder, wie das im Fachjargon heißt, umgestuft werden, dann dürfte es mit der dörflichen Ruhe endgültig vorbei sein. Der Kreistag hat bereits seinen Segen dazu erteilt. Mehrheitlich wurde eine Vereinbarung mit dem Land, in der es um vorzeitge Straßenabstufungen geht, zugestimmt. Vor allem Arnstädter Kreistagsmitglieder votierten dagegen. Weil in dem Zusammenhang die Sperrung der Jonastalstraße zwischen Arnstadt bis zum Abzweig Espenfeld und die damit verbundene Verkehrsführung durch Espenfeld geplant ist.

„Das lassen wir uns nicht gefallen“, meint Mario Knaut von der Bürgerinitiative Espenfeld. Mit den Einwohnern habe niemand geredet, obwohl das Thema schon länger schwelt und auch andere Lösungen im Gespräch waren – eine Ortsumgehung beispielsweise. Doch in Zeiten knapper Kassen zu teuer, denn dann wäre ja auch noch die Sanierung der nur noch eingeschränkt befahrbaren Brücken im Jonastal vorzuziehen gewesen. Gerade weil diese erhebliche Kosten verursacht, ist die billigere Espenfeld-Variante offensichtlich gewählt worden – und „dafür wurde unsere Lebensqualität verkauft“, so Vertreter der Bürgerinitiative. Man fühle sich aber auch verraten. Das Letzte, was man von offizieller Seite erfahren habe, war, dass das Planfeststellungsverfahren eingestellt worden sei. Das müsse so Anfang 2004 gewesen sein, erinnert sich Mario Knaut. Die Stadt Arnstadt, zu der Espenfeld gehört, hatte bereits 2001 „jegliche Trassenverlegung“ in einer Stellungnahme abgelehnt. Durch Lärm und Schadstoffausstoß würde die Lebensqualität „in hohem Maße“ beeinträchtigt. „Diese Variante sollte im Interesse der Einwohner wohl sofort ausgeschlossen werden“, hieß es in dem Schreiben, das aber ohne Reaktion geblieben sei. Aber irgendwann sei durchgedrungen, dass die Geschichte vom Tisch sei. Kein Handlungsbedarf.

Um so überraschter und empörter sind die Espenfelder nun. Man sei nicht bereit, die vorhandene Lebensqualität auf´s Spiel setzen zu lassen. Oder noch mehr auf´s Spiel setzen zu lassen, denn Einbußen gibt es bereits. Durch die Tonnagebegrenzung der Jonastalstraße poltern schon jetzt die Lkw´s von und nach Gossel oder Crawinkel über den nicht gerade ebenen Pflasterbelag der Dorfstraße. In einigen Häuserwänden seien bereits Risse zu sehen. Der Lärm ließe sich ganz gewiss dämpfen, denn im Zusammenhang mit der erwähnten Vereinbarung mit dem Land hieß es, dass das Pflaster durch eine Bitumendecke ersetzt würde. Außerdem soll eine Ampelregelung die Gefahren des Begegnungsverkehrs auf der engen Straße ausschließen. Im Grundsatz „verschlimmbessert“ das aber nur die Situation. Sofern es überhaupt zu dem geplanten Ausbau kommt. Im Jonastal tickt eine Zeitbombe. Niemand weiß, ob nicht – ähnlich der Fußgängerbrücke am Bad in Arnstadt – die Brücken aus Sicherheitsgründen von einem Tag auf den anderen gesperrt werden müssen. Und dann?

Kaum einer derjenigen, die im Kreistag der Vereinbarung zustimmten, sei jemals in Espenfeld gewesen, vermuten die Bürgeraktivisten: „Uns fehlt die Lobby, hier wohnt kein Landespolitiker.“ Zumindest im Arnstädter Stadtrat finden sich Verbündete. Der kritisierte in seiner jüngsten Sitzung geschlossen den Kreistagsbeschluss. Dieser verletze die Interessen der Stadt Arnstadt und der Einwohner Espenfelds auf´s Gröbste, hieß es da. Und: Der Kreistag habe keine ausreichende Abwägung aller zu vereinbarenden Interessen vorgenommen.

Die Bürgerinititative selbst hat sich in einem Brief an den Bürgerbeauftragen des Landes gewandt und um Unterstützung gebeten. Eine Unterschriftensammlung ist auch in Vorbereitung. Wenn das alles nicht hilft? Da weiß die Bürgerinitiative Antwort: „Dann setzen wir uns auf die Straße.“

Gerd SCHMIDL

29.03.2005