NEUE ERKENNTNISSE ZUM JONASTAL – Waffenschmiede Nr.1!? – vom 06.02.2004

Quelle: Arnstädter Stadtecho – Ausgabe Februar 2004

NEUE ERKENNTNISSE ZUM JONASTAL
„Waffenschmiede Nr.1!?“
Waren Arnstadt und das Jonastal einst Zentrum der deutschen Hochtechnologie und der Rüstungsindustrie?

Volles Haus – nichts ging mehr. Der Vortrag am 6. Februar im altehrwürdigen Gast-& Logierhaus „Goldene Henne“ auf dem Arnstädter Ried war schon Wochen vorher restlos und bis auf den letzten Platz ausverkauft. Publizist Thomas Mehner und der Historiker Wolf E. Krotzky präsentierten neue Forschungsergebnisse zum berühmtberüchtigten Jonastal.

Gut drei Stunden dauerte der Vortrag, und als Wolf E. Krotzky kurz vor 23 Uhr unter großem Beifall endete, da war es wie immer – Fragen gab es noch zuhauf und Einzelgespräche zogen sich noch bis Mitternacht hin. Mitglieder der Geschichts- und Technologiegesellschaft e.V. hatten eigens ihren Stammtisch sausen lassen, um diesen Vortrag nicht zu verpassen, ihre Zusammenkunft wurde um eine Woche nach hinten verschoben. So mancher Interessierte, der keine Karte im Vorfeld mehr erwerben konnte, kam trotzdem und wurde letztlich nicht enttäuscht – für alle wurde ein Plätzchen geschaffen. Sie hatten insofern Glück, da einige vorbestellte Karten nicht abgeholt wurden. Vor einem solchen ausverkauften Haus machte es den beiden Referenten sichtlich zunehmend Spaß, ihre neuesten Forschungsergebnisse zu präsentieren. Ergebnisse, die sich durch die Recherchen der beiden Jonastalexperten immer mehr zu der Erkenntnis verdichten: In Armstadt befand sich Deutschlands Waffenschmiede Nummer Eins. So Thomas Mehner, der mit dieser provokanten These, die auf Zeitzeugenaussagen ebenso zurückgeht wie auf Dokumente und Veröffentlichungen, natürlich vor allem auch seine Kritiker auf den Plan rufen wird. Arnstadt als Waffenschmiede Nummer eins? Weshalb haben die Arnstädter davon nichts gemerkt? Wieso liest man dazu in der offiziellen Geschichtsschreibung nicht eine Zeile? Thomas Mehner kennt diese Fragen und nimmt sie gelassen hin. Er erwartet nicht, dass man ihm wie einem Propheten Glauben schenkt. „Wissen Sie, es ist einfach so, dass wir davon ausgehen können, dass die Forschungen zur Hochtechnologie des Dritten Reiches, speziell in der Forschung zu Atom-Waffen, genau in dem berüchtigten Dreieck Arnstadt-Wechmar-Ohrdruf stattfanden. Inzwischen haben wir soviel Material zu diesem Thema zusammengetragen, dass die Indizienkette kaum noch zu brechen ist. Da gibt es nicht nur einen Führerbefehl zum beschleunigten Bau und Fertigstellung der A-Waffe, nein, da wurden sogar sechs Atom-U-Boote von der Kriegsmarine bestellt. Wie aber kann man etwas bestellen, dass es offiziell gar nicht gibt und für das nicht einmal – zumindest in bezug auf das atomare Antriebssystem – die Voraussetzungen geschaffen worden waren? Solche Geschichten erfinden wir nicht, diese sind belegbar. Wir haben eine Vielzahl an Zeugenaussagen zu Starts von Raketen, zum Bau der A-Waffe, zum Bau von weiteren Waffen, die durchaus in das Raster der so-genannten Wunderwaffen passen, dass es einfach ein Unding wäre, würde man dies alles negieren und verneinen, getreu dem Motto was nicht sein darf, das nicht sein kann. Die Nummer ist abgelaufen.“

Auch Historiker Wolf E. Krotzky betonte eingangs, dass er nur Aussagen zu dem brisanten Thema treffen werde, die er auch hieb- und stichfest belegen könne. „Es ist einfach so, dass ich als Historiker ohne Rücksichtnahme auf politische Befindlichkeiten, die es damals genauso gab wie heute, Ergebnisse, Fakten und Dokumente in der Geschichtsforschung werten muss. Forschung und Gedanken sind frei. Ich betone immer wieder, dass es jedem freisteht, sich von der Richtigkeit unserer Aussagen zu überzeugen. Thomas Mehner und andere Autoren haben bereits in den schon erschienenen Publikationen zum Thema genau diese Möglichkeit eingeräumt.

Natürlich können Sie eine Zeugenaussage auch in Frage stellen, das ist nicht das Problem. Interessant aber wird es dann, wenn verschiedene Zeugen zu unterschiedlichen Zeiten und aus verschiedenen Gründen fast identische Aussagen machen, was tun Sie dann? Wir sind uns schon bewusst, dass wir eine These aufstellen, die vielen unglaublich vorkommen mag. Aber ich kann nicht erkennen, warum wir diese Indizien, Dokumente, Veröffentlichungen und Zeugenaussagen ignorieren sollten. Wenn das andere tun, bitte schön, dann müssen sie sich schon fragen lassen, warum!“ Die unglaubliche These: Deutschland hatte spätestens im März 1945 mehrere einsetzbare A-Waffen, mindestens zwei von ihnen testeten sie erfolgreich – eine Kleinstwaffe mit ca. 100 Gramm „Ladung“ davon am 4. März 1945 auf dem Ohrdrufer Truppenübungsplatz nahe Röhrensee, wobei über 600 Häftlinge, aber auch einige Wissenschaftler zu Tode kamen oder mit schweren Verletzungen noch über Jahre zu kämpfen hatten. Außerdem standen einsatzbereite Prototypen von Großraketen (im Jargon allgemein „Amerikarakete“ genannt) zur Verfügung, eine davon startete nachweisbar (es gibt Fotos und Zeugen) am Abend des 16. März 1945 nahe Rudisleben. Aber auch das gehört dazu: Die schrecklichen Waffen wurden gegen die Alliierten nie ein gesetzt, dafür aber handelte man möglicherweise mit den Siegern einen Deal aus. Einen Deal von solcher Tragweite, dass er den USA die absolute technologische Vormachtstellung verschaffte – und deutschen Wissenschaftlern und Raketenspezialisten unter Wernher von Braun nicht nur das Überleben sicherte, sondern auch deren weitere Forschungstätigkeit. Aber auch solche Nazi-Größen wie beispielsweise SS-General Dr. Hans Kammler, der über ein enormes Wissen verfügte, kamen offenbar mit einem kleinen Schrecken davon. Kammler leitete beinahe alle höchst geheimen Bau- und Forschungsarbeiten im Deutschen Reich und wurde sogar zum Bevollmächtigten der Strahlenwaffe durch Adolf Hitler höchst persönlich berufen. Nach dem Kriegsende stand Kammler noch nicht einmal auf der Fahndungsliste der Alliierten, obwohl er zu den mächtigsten Männern des Dritten Reiches gehörte. Auch die sich hier auftuenden Zusammenhänge mögen ein Grund dafür sein, dass bis heute zahlreichen Politikern und ihren Historikern daran gelegen ist, diesen Teil deutscher und internationalen Geschichte so zu belassen, wie er seit Jahren von den Siegern der Geschichte in Umlauf gebracht wurde. Von Mehner als auch von Krotzky wurde immer wieder ausdrücklich betont, dass bei diesen Forschungen und beim Bau der Anlagen zehntausende Häftlinge zu Tode geschunden wurden. Es sei gerade diese Tatsache, welche die Verpflichtung auslöse, zu hinterfragen, warum diesen Menschen ein solches Schicksal beschieden war. Einer, der auch darauf Antworten geben konnte, war der persönliche Adjudant Heinrich Himmlers, Werner Grothmann.

Auch seine Aussagen lassen zahlreiche Schlüsse in bezug auf die Ereignisse in unserer nahen Heimat zu. Dieser SS-Mann nahm Teile seines Wissens nicht mit ins Grab, sondern vertraute sie Wolf E. Krotzky an. In über 40 Interviews. Sie aufzuarbeiten, ihren Inhalt zu überprüfen und sie öffentlich zu machen, daran wird gearbeitet. Thomas Mehner und Wolf E. Krotzky sind sich sicher, damit weitere Steine in das Puzzle „Geheimnis Jonastal“ einbringen zu können. Was aber dann?

Die Geschichte umzuschreiben wäre noch das einfachste. Die Hinterlassenschaften in Form von unterirdischen Anlagen und ihrem Inhalt zu bergen, zu erschließen und zu sichern – das wäre dann wohl zwingend notwendig, weil niemand die Gefahr abschätzen kann, die von solch einem Erbe ausgehen könnte. Wird es verantwortungsbewusste Männer und Frauen in verantwortlichen Positionen geben, die den Mut haben, dieses „Erbe“ anzunehmen und zu sichern?