Rätsel um Zisterne – vom 23.05.2006

Quelle: Thüringer Allgemeine für den Ilmkreis vom 23.05.2006

Rätsel um Zisterne

ARNSTADT/ CRAWINKEL. Eine Zisterne oder die Drehscheibe der Feldbahn? Die Mitglieder des Jonastalvereins rätseln. Sind mehrfach der Meinung, der kreisrund mit Ziegelsteinen gemauerte Behälter könne nur für die Wasserversorgung gedacht gewesen sein. Zu mehreren Bauwerken im Jonastal, deren Bedeutung nicht ganz klar ist, forschen die Mitglieder derzeit, hoffen, dass es noch Augenzeugen gibt, die zur Aufklärung mit beitragen könnten. Das Bauwerk, das um 1945 ausgesprochen akkurat möglicherweise von den Häftlingen des Lagers SIII im Jonastal ausgeführt worden ist, wurde nun um zäunt – zur Sicherheit. Von der Jonastalstraße aus ist fast sichtbar die vermeintliche Zisterne zu erkennen. Wann dieser Rundbau allerdings errichtet worden ist, konnte bislang nicht ermittelt werden. Klaus-Peter Schambach, Mitglied im Jonastalverein, mutmaßt, dass es sich wahrscheinlich um einen Brauchwasserspeicher gehandelt haben müsse. Denn bei den Mengen Beton, die „hier fast am Ende des II. Weltkrieges verarbeitet wurden“, benötigte man das Wasser dazu. Für die Trinkwasserversorgung der Bauarbeiter hingegen seien offensichtlich Leitungen vom Schönbrunn bis an die Baustelle im Jonastal gezogen worden. Gräben in der Nachbarschaft der Zisterne lassen darauf schließen. Augenzeugen hätten auch ausgesagt, die Leitungsrohre seien nach 1945 wieder herausgerissen worden. Man könne das auch an den Schächten nachvollziehen, die sich in bestimmten Abständen parallel zur Straße versteckt befänden. Aber offensichtlich gab es auch Überlegungen, die Wasserversorgung direkt aus der Weiße, die weit im Jonastal unterirdisch verläuft, zu ermöglichen. Klaus-Peter Schambach und weitere Mitglieder des Jonastalvereines führten die Presseleute zum Beweis für diese Aussage an einen Trichter, in dem eine Bohrkrone weit in die Tiefe ragt. Das sei bestimmt keine Rettungsbombe und auch kein Fahrstuhl, sagt Schambach, hier sei offensichtlich versucht worden, einen Brunnen zu bohren. Es gibt noch einen weiteren Ort, der von den Mitgliedern des Jonastalvereines – gut unterstützt vom Arnstädter Bildungswerk – nun eingezäunt worden ist. Auch um dieses Areal ranken sich Rätsel. Tiefe Fundamente und auch die Form des Bauwerkes lassen der Fantasie zur Interpretation reichlich Raum, und zwar auf der anderen Straßenseite des Jonastales gegenüber den Stollen 16 bis 20. Dieses Fundament sei nicht im Kott-Plan (Kott war der Architekt im Jonastal) verzeichnet. Auf der gegenüberliegenden Seite allerdings befindet sich ein gleiches Bauwerk, nur seite nverkehrt. Das Pendant ist hier also um 180 Grad gedreht. Man sieht an einigen Fundamenten, dass Raubgräber vor dem Jonastalverein dagewesen waren und an diesen Stellen geschachtet hatten. Der Zweck der Vorstellung dieser Schauplätze sei es, so Schambach, mehr darüber zu erfahren, um das noch lückenhafte Bild zu schließen. Die Führungen auf dem Geschichtspfad im Jonastal finden immer am letzten Sonntag im Monat statt. Zur nächsten Führung wird am 28. Mai eingeladen. Treff ist 14 Uhr am Dokumentationszentrum Wölfis. Von Marlis KIESEWALTER

22.05.2006