Thema: Das Leben mit der Atombombe – Theorie oder Wirklichkeit – vom 21.05.2004

Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft „Oberes Geratal“ (Gossel, Frankenhain, Liebenstein, Stadt Plaue, Gräfenroda, Geschwenda und Gehlberg) am 21.05.2004; Seite 16-17

Für die Anwohner um den Truppenübungsplatz (TrÜpl) Ohrdruf haben die letzten Jahre der Jonastal-Forschung nicht nur nachvollziehbare und positive Ergebnisse gebracht. Leider wurden auch Ängste und Befürchtungen geschürt, wonach in unserer direkten Nachbarschaft kurz vor Kriegsende am 04. März 1945 eine Mini-Atombombe getestet worden sein soll, sich hier auch während des 2. Weltkrieges das Zentrum der Deutschen Atomforschung befand und ggf. noch heute ein funktionstüchtiger Atomreaktor auf seine Entdeckung wartet. Diese Ängste haben nicht nur Einwohner dieser anliegenden Kommunen, nein auch stößt es mögliche Zuzugsinteressenten und bauwillige Bürger ab.

Allerdings muss man wohl glücklicherweise sagen, dass bisher nicht ein Beweis für diese Theorien erbracht wurde. Ansonsten müssten sich öffentliche Stellen mehr Gedanken darüber machen, wie all dies schnellstmöglich aus unserer Nachbarschaft verschwinden kann bzw. ob nicht wir sogar verschwinden müssten. Dennoch erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Bücher, werden Exkursionen und Führungen durchgeführt und immer neue Theorien entwickelt, aber Belege gibt es nicht. Ist es etwa ein kommerziell neuer Markt, der Neugier weckt und Angst verbreitet oder leben wir in einem Gefahrenbereich. Als Bürgermeister der Gemeinde Gossel, welche unmittelbar an diesem Forschungsareal liegt, wende ich mich hiermit an den Geschichts- und Technologieverein Großraum Jonastal.

Andreas Gundermann, Bgm.Gossel

Es antwortet Klaus-Peter Schambach aus Crawinkel, Mitglied und Webmaster des Jonastalvereins, zum Thema Beweislage für die Atombomben-Theorie mit seiner persönlichen Meinung

„Jedes Mal wenn ein neues Buch erscheint oder ein Vortrag zum Thema gehalten wird, werden hinterher die gleichen, ängstlichen Fragen von Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten aufs Neue wiederholt, da ich mich ja, ihrer Meinung nach als Mitglied des Jonastalvereins, mit all diesen Dingen auskennen müsste. So geschehen auch dieses Mal nach dem Vortrag „Arnstadt, Wechmar, Ohrdruf und die Bombe“ am 19.02.04 durch Herrn Thomas Mehner im Bürgersaal des Schloss Ehrenstein in Ohrdruf. Das Thema allein zielte bereits auf die neue Abkürzung AWO für den betreffenden Übungsplatzbereich ab, die der Buchautor seit einiger Zeit zu etablieren versucht. Nach Rückfragen innerhalb der anschließenden Diskussion zu seinem Vortrag erklärte er aber, dass bisher lediglich Zeitzeugenberichte als Quellen dafür genannt werden können und kein Dokument oder dergleichen als Nachweis angeführt werden kann. Ähnlich verhielt es sich mit den Quellen und Nachweisen für die aufgestellten Behauptungen über die Entwicklungsetappen bis zur funktionstüchtigen deutschen Atombombe und deren Test in unserer Nachbarschaft. Nur verwies auch hier der Autor schon vorab auf sein neues Buch, das aber noch nicht erschienen ist und dann alle Beweise liefern wird. Hatten wir diese Situation nicht schon einmal?

Nach meiner persönlichen Meinung sollte jetzt endlich einmal angefangen werden, die Legenden und Rätsel von den Fakten um das Jonastal zu trennen. Die Zeit ist reif dafür, dass alle verfügbaren Quellen und Belege auf den Tisch kommen und wir nicht wieder Jahr für Jahr aufs Neue vertröstet werden. Jeder sollte sich zukünftig beim Lesen des nächsten Jonastal-Buches oder nach jedem weiteren Vortrag fragen, ob dieses Mal die Behauptungen genügend und überzeugend mit Fakten und Beweisen untermauert wurden bzw. als Vermutungen deutlich zu erkennen waren.

Eine Kurzzusammenfassung der bisherigen Ergebnisse und Veröffentlichungen zum Thema würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen und so verweise ich für eine erweitere Recherche auf die Internetplattform der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. über die Internetadresse www.jonastalverein.de. Dort finden sich beispielsweise einige Veröffentlichungen und Berichte vom Oktober 2001, als das erste Buch von Herrn Mehner veröffentlicht wurde. Befürworter der besagten Theorien werden sich sicherlich auf die angeführte Strahlenkonzentration stürzen, die nach so vielen Jahren ihrer Meinung nach nicht mehr nachweisbar sei und auf eine groß angelegte Verschwörung hinweisen. Eine aktuelle Nachfrage über den Verein beim Kommandanten des TrÜpl Ohrdruf ergab, das auch jetzt, fast 3 Jahre danach, keine neuen Erkenntnisse vorliegen. Was also endgültig bleibt, sind daher leider nur weitere Spekulationen und Mutmaßungen und keine Konsequenzen für derlei Handeln.“

Klaus-Peter Schambach

Auszüge Zeitungsartikel aus dem Jahre 2001

„Platz über Jonastal wurde auf atomare Strahlung geprüft -Bundeswehr und Stadt sehen keinen Anlass für weitere Untersuchungen. Nach dem vom mdr am Wochenende aufgewärmten Thema um vermutete Atomtests im Gebiet Jonastal/ Truppenübungsplatz Ohrdruf zum Ende des Zweiten Weltkriegs werden weder Stadt Arnstadt noch Bundeswehr neue Überprüfungen in dem Bereich einleiten… Eine im Jahr 2000 Freies Wort vorliegende IMIS-Detailkarte der Gamma-Ortsdosislei-stung hatte für Thüringen insgesamt zwar mit die höchste Gam-maleistung Deutschlands ausgewiesen, dies jedoch wurde auf natürliche Gegebenheiten zurückgeführt und lag im zulässigen Bereich. Leicht erhöhte Werte waren ohnehin nur westlich des Jonastals bis etwa nach Gotha auszumachen. Der mdr griff die Thematik nun nach Erscheinen des Buches »Das Geheimnis der deutschen Atombombe“ auf, das unter Fachleuten als umstritten gilt. Neue Ansatzpunkte für Untersuchungen sieht denn auch die Stadtverwaltung Arnstadt nicht. Pressesprecherin Angelika Stiel erklärte gestern, nachdem sich ein Verein gegründet hatte, der sich mit dem Thema Jonastal befasst, werde die Stadtverwaltung Arnstadt parallel nichts in dieser Sache unternehmen. Auch vom Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Ohrdruf werden keine neue Initiativen zur Untersuchung des Platzes ausgelöst, wie der Kommandant gestern im Gespräch mit Freies Wort erklärte. „Uns wird hier das Bernsteinzimmer nachgesagt, Ufos, unterirdische Panzer und die Atombombe“, schickt Platzkommandant Andreas König gestern sämtliche Spekulationen dazu ins Reich der Fantasie. Er sieht die jüngsten Presseinitiativen dazu unter einem ganz anderen Aspekt: Möglicherweise geht es vorrangig um den Verkauf eines Buches. Die Bundeswehr hatte, das erklärte König gestern im Gespräch mit Freies Wort, im August/ September eine komplexe Untersuchung auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes. Demnach hatte ein unabhängiges Unternehmen im Beisein von Interessenten, die – so die Auffassung Königs- auch Kontakt zum Buchautoren hatten, Strahlungsuntersuchungen vorgenommen. „Es wurde Alpha-, Beta- und Gammastrahlung gemessen und das auf eine Länge von zehn Kilometern quer durch das Gelände“, erklärt der Kommandant. Alle 100 Meter seien Messpunkte fixiert worden, doch sei die Strecke auch über diese Punkte hinaus in ihrer Gesamtheit protokolliert, das Messgerät nicht ausgeschaltet worden. Ergebnis: Keine Auffälligkeiten, die Werte seien für Thüringen typisch leicht erhöht. „Damit ist unser Part beendet“, erklärt der Platzkommandant, er stehe weiteren Anfragen zwar offen gegenüber, sehe jedoch keinen Anlass, ohne neue Beweise weitere Untersuchungen durchzuführen und damit Steuergelder zu verschwenden. „Wenn es neue erhärtende Beweise gibt, sind weitere Prüfungen keine Frage“, diesen Umstand sieht König derzeit jedoch nicht gegeben
(Quelle: Freies Wort vom 30.10.2001).,,

„Urteil der Wissenschaft – Keine erhöhte Strahlenkonzentration in Ohrdruf nachgewiesen. Es gibt Mutmaßungen und Indizienketten. Vielleicht auch ernst zu nehmende. Aber Beweise für die deutsche Atombombe liegen nicht vor. „Nach den bekannten seriösen Quellen ist die Existenz einer deutschen Atombombe auszuschließen.“ So lautet das Urteil von Dr. Wilhelm Füßl, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Museums in München. Zwischen Mai und August präsentierte sein Haus die Sonderschau: „Geheimprotokolle der deutschen Atomforschung von 1938 bis 1945“. Knapp 500 Papiere, die das Wissen der Nazis dokumentieren, waren hier zu sehen… Aussagen aus Buchveröffentlichungen, wonach in Thüringen sogar eine Mini-Atombombe gezündet worden sein soll, weisen seriöse Wissenschaftler zurück… Dem Thüringer Sozialministerium liegen zudem keine Angaben vor, die in diesem Gebiet auf Erkrankungen als Folge von Atomstrahlen schließen lassen
(Quelle: Thüringer Allgemeine vom 30.10.2001).“