Thüringen – Keiler unterm Geigerzähler – vom 16.12.2005

Quelle: Thüringer Allgemeine für Arnstadt am 16.12.2005

Keiler unterm Geigerzähler

ARNSTADT. Die Legenden rund um Jonastal und den angrenzenden Truppenübungsplatz Ohrdruf schießen immer ´mal wieder ins Kraut. Mitunter genährt durch ganz offizielle Untersuchungen. Das ZDF hatte vor Wochen neuerliche Untersuchungen auf dem Areal des Truppenübungsplatzes angekündigt. Hintergrund – die immer wieder aufflackernden Gerüchte um angebliche Atomversuche Ende des 2. Weltkrieges, die dort stattgefunden haben sollen. Das lässt die Gerüchteküche brodeln. Werden etwa deshalb die in den Jagdrevieren rund um den Truppenübungsplatz erlegten Wildschweine auf Radioaktivität untersucht, Keiler unterm Geigerzähler?

Untersucht wird in der Tat, bestätigt der Leiter des zuständigen Lebensmittelüberwachungsamtes der Kreisverwaltung, Dr. Gürtler. Allerdings sei daran erst einmal nichts Spektakuläres. Sozusagen Routine seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Zunächst in den alten Bundesländern und in Thüringen seit 1989 bestätigt ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums. Solche Stichproben würden danach nicht nur beim Wild gemacht, auch Waldfrüchte würden auf radioaktive Rückstände getestet. Das deutsche Lebensmittelrecht sei dafür die Grundlage.

Allerdings gibt es schon Gebiete in Thüringen und auch im Ilmkreis, denen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird, beispielsweise der Region Gräfenroda, so Amtstierarzt Dr. Fred Gramann. 25 Proben von im Ilmkreis erlegten Wildschweinen wurden in diesem Jahr in einschlägigen Instituten geprüft. Ohne Auffälligkeiten. Es habe zwar über die Jah re hin und wieder „Ausrutscher“ gegeben, weiß Dr. Gramann, aber die rührten garantiert nicht von einem Atombombenversuch her, ist er sich sicher. Bei einigen Tieren sei Cäsium 134 beziehungsweise Cäsium 137 nachgewiesen worden. Deshalb sei die Herkunft eindeutig – Tschernobyl. Allerdings kein Vergleich zu bayrischen Gegenden, die von der berüchtigten Wolke damals weit intensiver betroffen waren.

Die Dosen seien aber weit unter den zulässigen Werten, bestätigt auch das Gesundheitsministerium. Den Weihnachts-Wildschweinbraten sollte man sich also nicht vermiesen oder schlecht reden lassen. Es wären seit Beginn der Untersuchungen keine nennenswerten, sprich gesundheitsgefährdende Belastungen gefunden worden. Trotz der mittlerweile weit ausgereifteren Untersuchungsmethoden als noch vor 10 oder gar 20 Jahren. Thüringen habe insgesamt in das Landesamt für Lebensmittelsichewrheit in Bad langensalza 70 Millionen Euro investiert, davon 20 Millionen allein für die Prüftechnik. Um tatsächlich einen gesundheitlichen Schaden zu erleiden, müsste man 200 Jahre lang täglich ein halbes Wildschwein vertilgen, meint Ministeriumssprecher Thomas Schulz.

Aber das schafft von der Lebenszeit niemand und was die Menge anlangt wohl nur Obelix der Gallier. . . Von Gerd SCHMIDL

15.12.2005