Mit großer Verwunderung habe ich in der Ausgabe vom 13.07.2001 den durchweg positiven Kommentar zur Verlegung der Straße durch das Jonastal zur Kenntnis genommen.

Sicher ist es wunderschön ungestört von Autos durch das Jonastal zu radeln, wenn eine gangbare Alternative möglich ist. Dabei sollte man aber auch Auswirkungen auf die Bereiche, welche zukünftig den Verkehr aufnehmen sollen gründlich untersuchen. Dabei fällt für mich die Bilanz nicht nur positiv aus.

Stellvertretend seien hier einige Gründe genannt:

Naturschutz: Die Entlastung des Jonastales ist zwangsläufig mit einer Belastung der Bereiche der neuen Trassenführung verbunden. Dabei wird zum Beispiel ein so hoch-sensibler Bereich wie das Totalreservat Gottesholz mit seiner einzigartigen Fauna unmittelbar tangiert.
Baukosten: Ist es wirklich billiger ca. 12 km Straße neu zu bauen und ca. 15 km Straße zu renaturieren als wenige Brücken zu sanieren? Erschwerend kommt hinzu daß im Bereich des Neuen Tales eine Verbreiterung der Straße nur mit hohem baulichen Aufwand möglich ist. Die Qualität vorhandener Teilstücke erkennt man zur Zeit sehr deutlich an den sich senkenden und zerbröselnden Straßenrändern unter den Lasten der derzeitig eingerichteten Umleitung.
Schutz der Anwohner: Um Espenfeld soll nach ihrem Artikel („79 Bäume fallen“) eine Umgehung gebaut werden, diese wird zwar auf Grund der baulichen Enge kaum diesen Namen verdienen, aber wer will eigentlich den Einwohnern Gossels erklären, daß auf Grund der Einrichtung eines Radweges durch das Jonastal jetzt der gesamte Verkehr vor ihrer Haustür vorbei fließt? Ja warum eigentlich eine Ortsumgehung? Wir haben die Bestmögliche bereits. Im gesamten Verlauf des Jonastales von Arnstadt bis Crawinkel wird nicht eine einzige Ansiedlung berührt.
Verkehrssicherheit: In Thüringen soll es auch noch Winter geben. Hat sich schon einmal jemand Gedanken gemacht welchen neuen Unfallschwerpunkt wir einrichten durch den steilen und kurvenreichen Anstieg bzw. Gefälle von Siegelbach zur Espenfelder Straße? Wo die ersten Holzkreuze stehen werden ist heute bereits absehbar.
Radwege: Es ist schön, daß immer mehr Menschen mit dem Fahrrad sich die Schönheiten der Natur erschließen. Viele Radfahrer nutzen jetzt schon die Wege die von der Alteburg nach Espenfeld führen um oberhalb des Dorfes weiter nach Gossel zufahren. Sicher sind Verbesserungen im Bereich Espenfeld – Gossel mit geringem Aufwand machbar. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Rundweg ausgehend von Arnstadt über die Alteburg nach Espenfeld, weiter nach Gossel und von dort durch das Tieftal zurück nach Dosdorf mit Anschluß an den Radweg Arnstadt-Plaue? Weite Teile dieser Strecke sind heute bereits problemlos für Radfahrer, weitab jeglichen Autoverkehrs, befahrbar. Diese Strecke wäre, durch die reichhaltige Flora und Fauna, mindestens ebenso reizvoll wie ein Radweg durch das Jonastal.
Ich denke mit obigen Ausführungen gezeigt zu haben, daß dieses Vorhaben nicht nur positive Seiten hat. Diese Ausführungen sollten dazu dienen in eine sachgerechte Diskussion, frei von einseitiger Betrachtungsweise, einzusteigen.
V. HERZBERG, Espenfeld

(c) Thüringer Allgemeine, Lokalteil Arnstadt vom 20.07.2001

Link: http://www.espenfeld-gossel.de