Bomberabsturz bei Gossel 1944 – vom 30.07.2004

Quelle: Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft „Oberes Geratal“ (Gossel, Frankenhain, Liebenstein, Stadt Plaue, Gräfenroda, Geschwenda und Gehlberg) am 30.07.2004

Im April 1944 stürzte nachts ein britischer Bomber auf ein Feld bei Gossel. Es war eine Lanchaster vermutlich vom Typ Avro 683.


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Der Absturz geschah gegen 22:00Uhr hinter den so genannten 3 Kreuzen in Richtung Espenfeld. Der Film im Kino wurde zuvor durch Fliegeralarm unterbrochen. Die Besatzung des Bombers wurde durch Zeitzeugen als Kanadier bzw. Engländer bezeichnet und es wurde unterschiedlich von insgesamt bis zu 8 Mann Besatzung gesprochen. Der Kommandant lag nach dem Absturz bei den 3 Kreuzen. Blut kam aus Ohren und Mund, als ein Zeitzeuge ihn sah. 2 Absprünge der Besatzung sollen vor dem Absturz noch erfolgt sein – jeweils bei Manebach und Liebenstein.

Ein Überlebender mit Gipsarm, der vermutlich bei Liebenstein abgesprungen war und in Gefangenschaft geriet, wurde später an die Absturzstelle zur Identifizierung der Toten gebracht. An dem Flugzeugwrack wurden durch Zeitzeugen die entsprechenden Markierungen für 39 Einsätze festgestellt.

Die Absturzstelle hatte wie folgt ausgesehen, nachdem der beschädigte Bomber bereits vorher in der Luft explodiert sein soll.


Absturzstelle bei Gossel Anfang April 1944
(Foto: Kurt Böttner Crawinkel)

Die Geschichts- & Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V. beschäftigt sich seit dem letzten Jahr intensiv mit diesem Thema und zum Themenabend in Gossel wurden zum ersten Mal die bis dahin vorliegenden Recherche-Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Jonastalverein forscht auch dieses Jahr in Abstimmung mit dem Bürgermeister von Gossel sowie mit Genehmigung der Agrargesellschaft Gossel mbH weiter die damaligen Geschehnisse sowie die Absturzstelle. Sobald das Landesamt für archäologischen Denkmalschutz einer großflächigen Metallsuche zustimmt, wollen wir unsere Suche nach Überresten des Bombers fortsetzen. In diesem Fall geht es weniger um Vermisstenbergung, da der Absturz relativ bekannt ist und keine Hinweise über Vermisste vorliegen. Auch ist noch nicht genau geklärt, in welcher Luftschlacht der Bomber beschädigt wurde und an welchem Tag er genau abstürzte.

Zeugenaussagen folgend, versuchten wir bereits im 2003 einen Motor ausfindig zu machen, der sich durch die Explosion in der Luft einige hundert Meter entfernt von der Absturzstelle in das Feld gebohrt haben soll. Leider blieb die Suche bisher erfolglos und es stellen sich uns folgende Fragen:
Wo genau soll sich der Motor noch heute befinden?
Liegt er eventuell tiefer als die Messgeräte bisher reichten?
Wurde er doch schon während bzw. nach dem Krieg geborgen?
Wer weiß mehr über den Absturz und wer besitzt noch Überreste dieses Flugzeuges?

Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn Sie uns bezüglich unserer Fragen weiterhelfen können. An dieser Stelle möchten wir uns bei Thomas Graf bedanken, der dem Jonastalverein ein Stück Blech als Dauerleihgabe übergeben hatte, das nach seinen Angaben von dem britischen Bomber stammen soll. Dieses und noch einige Fundstücke mehr können Sie seit Anfang Juni im neu eröffneten Dokumentationszentrum Jonastal in Wölfis, Arnstädter Strasse 11, besichtigen. Die Sonderzeitung des Vereins zur Eröffnung können Sie für einen Euro direkt dort oder bei uns im Internet über www.jonastalverein.de bzw. im Blumenladen in Crawinkel erwerben. Die Besichtigung des Dokuzentrums kostet keinen Eintritt und wir werden für Sie jeden ersten Samstag bzw. jeden letzten Sonntag des Monats in der Zeit von 14:00 bis 18:00Uhr die Türen öffnen. Die nächsten Termine sind daher der 07.08. sowie der 29.08.2004. Die Mitglieder des Jonastalvereins freuen sich über Ihren Besuch und Unterstützungen jeglicher Art.

Klaus-Peter Schambach
Mitglied der GTGJ