EHEMALIGES KUNSTGLASGELÄNDE – Liegt hier was verborgen? – vom 26.10.2003

(c) Arnstädter Stadtecho – Oktober-Ausgabe 2003

Wie gut, wenn man sich erinnern kann. Gerade die Ereignisse, die mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zusammenhängen, haben sich bei vielen Menschen fest im Gedächtnis eingegraben. Auch bei Kindern, die es teils als Lausbuben noch im Kindergartenalter ganz toll fanden, im „verboteten Terrain“ zu stöbern und Fersengeld gaben, wenn Erwachsene auftauchten. Unserem Leser Manfred Bühler erging dies genauso. Später arbeitete er im VEB Kunstgas und wurde auch dort mit der Geschichte des III. Reiches konfrontiert. Baulich betrachtet. Jetzt gäbe seine Erinnerungen zu Protokoll.

Bärwinkelstraße
Wir wohnten vor dem Krieg in der Bärwinkelstraße. Der Obermieter war ein Dr. Rittermann. Uns Kindern wurde gesagt, wir sollten nichts sagen. Mein Vater war in führender Position der Partei. Als die Amis kamen, nahmen sie ihn mit. Er verbüßte zwei Monate in Bad Kreuznach, als er entlassen wurde, nahmen ihn die Russen mit nach Buchenwald. Er wurde als letzter entlassen. Als Kinder legten wir in der Bärwinkelstraße Brot aus, um zu sehen was passierte, wenn die Häftlinge vorbeimarschierten. Jeweils am Wochenende und Wochenanfang kamen Häftlinge, bewacht von Hunden, durch die Straße.

Rehestädter Straße (MDW) -Baracke GHG Gleiszufahrt
Ich war 1954 der erste Arnstädter Lehrling im damaligen Thüringer Glasveredelung, ab 1956 VEB Kunstglas. Alle anderen Glasschleifer kamen aus dem Böhmischen. Der Betrieb existierte an dieser Stelle bis zum Neubau am „Alten Gericht“. Ich war vom Anfang bis 1980 in diesem Betriebsteil und hatte Zugang zu allen Räumen. Dabei kamen wir in einen zweistöckigen unterirdischen Produktionsraum, wo noch Werkzeugmaschinen standen. Die Decken waren massiv, jedoch feucht. Überall waren Rattenspuren. Als wir die Lagerbestände sahen, handelte es sich um Nieten aus Alu, aller Sorten und Größen. Der Betrieb annoncierte in der Zeitung, um sie zu verkaufen. Die Nieten waren zu hart, deshalb kein Verkauf. Fässerweise wurden diese Nieten in das Bergbad abgekippt. Auch Flugzeugteile waren dabei. Weiterhin fanden wir Alubleche für die Flugzeugproduktion. Da diese nicht abzukanten waren, waren sie für uns wertlos. Die Fabrik hatte einen separaten Zugang. Später wurde das Gelände vom Anhängerbau übernommen. Trotz meiner Aussage, dass dort ein zweistöckiger Bunker auf dem Gelände ist, wurde der Hinweis ignoriert. Man stellte Messungen an, baute aber weiter. Der Brückenkran sackte ein. Das müsste 1978/79 gewesen sein. Die Bunker waren eingebrochen. Das Loch wurde später zugeschüttet. Diese Grube wurde bis zur Sohle ausgebaggert, mit Betonkies verfüllt.

Altstofflager
Am Mühlweg, unmittelbar an der Bahnlinie, lagerten bündelweise Geschäftsakten und Briefe. Wir machten die Briefmarken ab, durften uns aber nicht erwischen lassen. An gleicher Stelle lagen auch die Teile von den zwei Kanonen (Geschützen) von der Alteburg.

Polte l
Wir hatten unseren Garten neben der Polte I. Fotografiert werden durfte da nicht. Als Kinder mussten wir uns so stellen, dass die Polte l im Hintergrund war. Mir sind auch noch dicke Entlüftungsrohre in der Erinnerung von den Bunkeranlagen. An der Gartenseite waren auch noch runde Wachtürme. Auf dem Getreidesilo (Rechteckbau) war eine Flak aufgebaut. Die Russen sprengten die oberirdische Munitionsfabrik, die an der Gartenanlage gebaut war. Dabei fielen viele Trümmer in die Gärten. Der Schutt wurde zum Verschütten der Stolleneingänge verwendet.

Polte II
Als Jungen von 8-9 Jahren gingen wir zum Buntmetall sammeln. Dazu rutschten wir an Stangen, wie bei der Feuerwehr, in den Bunker hinab, holten die Messinghülsen zum Verkauf, wobei wir sagten, dieses im Feld gefunden zu haben. Auch das Schwarzpulver, sackweise abgepackt, nahmen wir mit. Das wurde vom Anfang der Richard-Wagner-Straße bis zum Wasserturm gestreut und angezündet. Das Feuer lief erschreckend schnell die Spur entlang.

Autobahn
Nach Auskunft eines hohen Eisenbahners wurde in den vierziger Jahren die Autobahn mit hohen Beträgen mitfinanziert. Dabei wurden Kabel zwischen den Strecken auf dem Mittelstreifen verlegt. Als zum Beispiel Landeflächen für den Flugverkehr gebaut wurden, gab es auf der Autobahn viele Probleme.

Polte l
Das hohe Gebäude, welches noch steht – Lager für Getreidewirtschaft -ist in Skelettbauweise ausgeführt. Die Felder waren mit Glasbausteinen zugemauert. In damaliger Zeit war dies eine sehr hochentwickelte Bauweise. Die Russen versuchten, es zu sprengen, es klappte aber nicht. Somit wurden die großen Wandfelder mit Backsteinen wieder zugemauert“.

Wer kann weitere Angaben machen? Außerdem bekam die Jonastalgesellschaft einen Zeitzeugenbericht, nach dem von 1944 bis zum Kriegsende vom Güternbahnhof über den Rehestädter Weg, am BC und Kino vorbei, durch die Wachsenburger Allee, Setze bis hinaus zum Jonastal eine provisorische Feldbahn installiert gewesen sein soll? Kann noch jemand diese Angaben bestätigen? Anruf genügt!