Gedenkenfeier im Jonastal – vom 11.04.2005

Quelle: Thüringer Landeszeitung vom 11.04.2005

Gedenkenfeier im Jonastal

Wölfis. (tlz) „Die Sonne bricht sich an der Felsenwand. Das Tal erscheint im warmen Licht.“ So zeigen sich die schroffen Muschelkalkhänge und Karsthöhlen des zwischen Crawinkel und Arnstadt gelegenen Jonastals. Mit diesem Bild beginnt ein Gedicht von Ute Brand. Doch sie führt den Leser weiter in eine dunkle, grausame Zeit … (mit) Blut und Schlamm und Schmerzen. … Ihre eindrucksvolle Rezitation bildete den Abschluss der gemeinsamen Gedenkveranstaltung des Landkreises Gotha und des Ilm-Kreises zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus.

Trotz nasskalten Wetters waren etwa 120 Besucher Samstag der Einladung der Landräte Siegfried Liebezeit (Gotha) und Lutz-Rainer Senglaub (Ilmkreis) an das Mahnmal für die Opfer des KZ Buchenwald-Außenkommando S III an der Jonastalstraße gefolgt. Anschließend nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit, das Dokumentationszentrum der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal in Wölfis zu besichtigen.

Landrat Senglaub begrüßte unter anderem den Konsul der Russischen Föderation Anatoli M. Jenin vom Generalkonsulat Leipzig, den Superintendenten der evangelischen Kirche in Arnstadt Hundertmark, den Kommandeur des Truppenübungsplatzes Ohrdruf Hauptmann König und die Enthnografin Helga Raschke aus Gotha.

Mit dem Eisenhower-Zitat, „Kommen Sie her und schauen Sie, dann wissen Sie, wofür wir kämpfen!“, unterstrich Senglaub seine Forderung, nicht darin nachzulassen, dem wiedererstarkenden Rechtsextremismus entgegen zutreten. Und: Schon werden wieder Mahnwachen gegen die Befreiungslüge von denjenigen gehalten, welche die Geschichte neu schreiben wollen, so Jenin.

Auch Helga Raschke betonte, dass der Schwur von Buchenwald am 11. April 1945 nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Sie schilderte mit ergreifenden Worten das der 14 000 Arbeitssklaven im Jonastal vom November 1944 bis März 1945. Von den zu Tode gekommenen 7000 Häftlingen starben allein 40 Prozent bei Strafappellen vor Hunger, Kälte, Erschöpfung oder Krankheit, weitere 2700 kamen auf den Todesmärschen in Richtung Buchenwald oder in andere Stammlager ums Leben.

Der Vorsitzende des Jonastalvereins (GTGJ) Johannes Alt informierte die Gäste im Wölfiser Vereinshaus darüber, dass das Schicksal der Häftlinge im Sonderbauvorhaben S III gleichermaßen dokumentiert und aufgearbeitet wird, wie die Fragen der Zeit-und Militärgeschichte. Dazu wurde ein Dokumentationszentrums mit Begegnungsstätte geschaffen. Von den etwa 50 Mitstreitern des vor vier Jahren gegründeten Vereins stammen zwei Drittel aus Wölfis und Umgebung. Die anderen Mitglieder sind bundesweit vertreut. Nicht willkommen im Verein sind Schatzsucher, Sensationshascher und solche, die mit S III und dem Jonastal Kasse machen wollen. Der Verein will Geschichte aufarbeiten und nicht Geschichten erzählen, Mythen erhalten oder Halbwahrheiten präsentieren.

10.04.2005 Von Wolfgang Möller