Durch die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Gotha wurde 1996 im Hinblick auf die Vermarktung heimischen Wildbrets eine Analyse zur Strahlenbelastung in Auftrag gegeben. Viele Jäger werden sich noch an die Schreckensmeldungen der Presse und die nachweisbare Erhöhung der Radioaktivität auch in Wildkörpern (besonders in Bayern) erinnern. Insofern ist es jederzeit von Interesse, wie es mit der gegenwärtigen Strahlenbelastung des Wildes aussieht.

Es wurden Wildbretproben von 28 Stücken Rotwild und 13 Stücken Rehwild im Isotopenlaboratorium für biologische und medizinische Forschung der Universität Göttingen untersucht. Das Material entstammt stichprobenweise dem gesamten Thüringer Wald (FoÄ Paulinzella, Schönbrunn, Schmalkalden, Hildburghausen, Ilmenau, Dietzhausen, Schnellbach, Gehren, Oberhof, Schmiedefeld, Crawinkel und Tambach-Dietharz) und dem Südharz (FoÄ llfeld und Ellrich). Gemessen wurden die Radioaktivitäten der wichtigen Nuklide Cäsium – 134, Cäsium – 137 und Kalium – 40, Die höchste Aktivität mit durchschnittlich 100 Becquerel pro kg Frischmasse zeigte das Kalium – 40. Dies ist ein in der Erdrinde natürlich vorkommendes Radionuklid. Der Wert entspricht dem normalen natürlichen Durchschnitt unter unseren geologischen Bedingungen. Cäsium – 137 ist ein Radionuklid, das sowohl den globalen Kernwaffentests der 60er Jahre als auch dem Tschernobyl-Unfall entstammt. Mit durchschnittlich 30 Becquerel pro kg ist die gegenwärtige Belastung des Wildbretes äußerst gering. Die Meßwerte von Cäsium – 134 lagen allesamt im Bereich der Nachweisgrenze, maximal konnten drei Becquerel pro kg diagnostiziert werden. Cäsium -134 wurde besonders beim Tschernobyl-Fallout frei, spielt aber durch die nur zweijährige Halbwertzeit heute kaum noch eine Rolle in natürlichen Kreisläufen. Grundsätzlich obliegt die radioökologische Bewertung dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Laut EG-Verordnung Mr. 686-95 darf Wildbret mit mehr als 600 Becquerel pro kg Gesamtcäsium nicht in die Europäische Gemeinschaft importiert werden. Dieser Wert wird offiziell als Grenzwert für die Vermarktung innerhalb Deutschlands anerkannt.

Mit durchschnittlich 30 Becquerel pro kg Gesamtcäsium (maximal knapp 100) sind alle Proben damit als völlig unbedenklich einzuschätzen. Ab 1998 werden durch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Landesmeßstelle für Umweltradioaktivität, erneut Messungen der Strahlenbelastung von Wildbret durch geführt. Dabei geht es neben der kontinuierlichen Kontrolle der Wildbretqualität aber vor allem um Grundlagenmessungen in den Waldgebieten. Die Wildtiere haben dabei Indikatorfunktion für verschiedene Waldökosysteme, so daß auch Rückschlüsse für die Strahlenaktivität der Waldvegetation und der Waldböden möglich erscheinen. Gegenwärtig wird der Stichprobenmodus erarbeitet, es soll voraussichtlich auf gut verwertbares Unfallwild zurückgegriffen werden. Um Vermarktungsverluste auszuschließen. Wir bitten die Revierinhaber bzw. Forstämter zu gegebener Zeit um entsprechende Unterstützung bei der Probennahme. Neben der Grundlagenerfassung im gesamtgesellschaftlichen Interesse sind ortsbezogene Werte für die Vermarktung unseres belastungsarmen Wildbretes sicher wertvoll.

Prof. Dr. S. Gärtner

Quelle: Gärtner, S.: Zur Strahlenbelastung thüringischen Wildes. Das Blatt (1998) H. 1, 6/ Thür. Jäger (Datum nicht genau überliefert)