Wir wollten es nicht übertreiben. Trotzdem haben wir am 20.Juni 2026 einen Tag der offenen Tür organisiert. Eingeladen haben wir auch viel Prominenz, Partner, Unterstützer und natürlich unsere Mitglieder. Aber auch jeder andere hatte die Möglichkeit uns zu besuchen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Eingeladene Landespolitiker fanden sich zwar nicht ein, aber eine Reihe Lokaler Partner, wie das Landratsamt, der Ohrdrufer Bürgermeister und die VVN/ BdA schickten Vertreter zu uns, der Bürgermeister von Arnstadt erschien sogar persönlich. Die Mitglieder des Vereins waren durch ihre Vereinskleidung gut zu erkennen und standen den Gästen jederzeit für Fragen zur Verfügung. So entwickelten sich bis in den späten Nachmittag hinein interessante Gespräche. Für die Versorgung mit Kaffee, Getränken und Bratwurst war gesorgt. Im Rahmen unseres Tages der offenen Tür wurde nicht nur gefeiert. Die anwesende Presse und die Partner und Interessierten wurden über den OFFENEN BRIEF an den Ministerpräsidenten, Dr. Mario Voigt informiert. Mit diesem Brief will der Jonastalverein nochmals auf seine Situation aufmerksam machen und Unterstützung von Landesseite einfordern.
Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen – Mario Voigt
Erinnerungskultur in Zeiten wachsender rechter Tendenzen in Not
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident
Anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung der Lager von S III im Jahr 2025 unterzeichneten die Landräte*Innen von Gotha und dem Ilm Kreis, die Bürgermeister von Arnstadt und Ohrdruf, sowie die Stiftung Buchenwald eine Absichtserklärung (letter of Intent) zur Erhaltung und Unterstützung des Jonastalvereins. Damit sollte die Erinnerungsarbeit auf stabile Füße gestellt und die Zukunft des Dokumentationszentrums des Vereins gesichert werden. Die einzige Unterschrift, die bis heute auf dieser Erklärung fehlt, ist die des Landes Thüringen., Aus unserer Sicht werden die Landkreise, das Land und der Bund ihrer Verantwortung noch nicht ausreichend gerecht, Interessierten, Angehörigen von Opfern und der aktuellen Generation, gleichwertig zu anderen Dokumentationszentren in Deutschland, über die Hintergründe der Orte zu informieren und pädagogische Angebote zu ermöglichen. Ehrenamtliche Initiativen werden trotz profunden Wissens nie die Ressourcen dazu haben, diese gesellschaftliche Aufgabe auszufüllen. In den Initiativen, die auch immer ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung sind, werden natürlich auch Stimmen laut, die die Geschichte dann nur noch aus der Sicht der Vermarktung beurteilen. Am einfachsten funktioniert das, wenn man die nachweisbaren Fakten und vorliegende Forschungen einfach ignoriert. Übrig bleibt dann ein Dickicht aus neuen Theorien, „todsicheren“ Stellen für Schatzsucher und Erlebnisorientierten. So dient regionale Geschichte heute oft leider nur noch der Unterhaltung und kommerziellen Ausschlachtung, was aber nicht länger so bleiben muss. Die ist vermutlich einer der Hauptgründe für die aktuelle und scheinbare Resignation bei der Forschung, insbesondere auch über die Nachwirkung dieser Orte über die teils fehlende Aufarbeitung in der DDR bis heute. Der Jonastalverein e.V. begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat der Verein eine große Entwicklung durchgemacht und wird von vielen dafür gelobt und geachtet. Dafür verantwortlich ist die fleißige und ausdauernde Arbeit von vielen ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern des Vereins. Es ist allgemein anerkannt, dass diese Arbeit notwendig und wichtig ist. Gerade in einer Zeit, in der Stimmen laut werden, die Erinnerungskultur um 180 Grad zu wenden, gewinnt die Arbeit für Demokratie, gegen Ausgrenzung und Rassismus immer mehr an Bedeutung. Dieser Arbeit widmet sich unser Verein seit langer Zeit. Die Aufgaben, die der Verein dabei übernommen hat, haben ständig zugenommen. Die Wissensvermittlung zu diesem Thema im Unterricht der Schulen ist völlig unzureichend und erfolgt viel zu spät. Das stellen wir im Rahmen unserer Arbeit ständig fest. Neben der Erarbeitung eines digitalen Archivs, welches auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden soll, der Betreuung von Projektarbeiten und Seminarfacharbeiten und der Beantwortung von Fragen der Angehörigen ehemaliger Häftlinge von S III gibt es eine Reihe weitere Aufgaben. Der Verein treibt die Forschung zum Projekt S III voran. Eine der umfangreichsten Arbeiten dabei ist die Erfassung aller Häftlinge. Dabei arbeitet der Verein mit der Stiftung Buchenwald, dem Arolsen Archiv und Forschern in den Niederlanden zusammen. Außerdem müssen Öffnungszeiten abgesichert, geförderte Mitarbeiter betreut, Führungen und Vorträge durchgeführt und ein Geschichtslehrpfad im Bereich der ehemaligen Baustelle im Jonastal sauber und nutzbar gehalten werden. In der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung, bei der die Grundlagen der wissenschaftlichen Erinnerungskultur mit Füßen getreten werden, in der Kriegsschuldleugner und Holocaust-Verharmloser Zuspruch in der Bevölkerung erlangen, leisten Projekte wie im Jonastal einen Beitrag zum Nachdenken und zu einer umfassenderen Erinnerungskultur. Die mahnenden Stimmen von Zeitzeugen stehen uns in Zukunft leider nicht mehr zur Verfügung, um in Schulen oder bei Gedenkveranstaltungen persönlich vom Leid, den Entbehrungen und dem Überlebenskampf der Zwangsarbeiter zu berichten. Wir müssen daher neue Wege beschreiten, um die Erinnerung, Mahnung und den Schwur der Buchenwald-Häftlinge wach zu halten. Dazu ist neben der Bildungsarbeit auch die weitere Forschung notwendig. Insbesondere die Frage, wie normale Menschen durch Duldung, Unterlassung oder sogar aktive Teilnahme zu Tätern wurden, muss weiter erforscht und kommuniziert werden. All diese Aufgaben sind ehrenamtlich nicht zu leisten. Das Ziel muss deshalb sein, die Zukunft des Vereins durch finanzielle Zuschüsse zu sichern. Damit sind sowohl Sachkosten als auch Personalkosten gemeint. Diese Kosten müssen auf Dauer gesichert werden, auch damit die jungen Leute des Vereins und Interessierte eines Tages bereit sind, die Aufgaben aus den Händen der älteren zu übernehmen und diese qualifiziert fortzuführen. Auch die Installation eines Dokumentationszentrums am authentischen Ort sollte, zumindest mittel- oder langfristig, nicht aus den Augen verloren werden. In der Praxis werden aber eher bereits bestehende Verpflichtungen, wie die Pflege der Gedenkstätte am Zeltlager Espenfeld/ S III, nicht erfüllt. Deshalb sehen wir auch das Land Thüringen in der Verantwortung. Anfragen jeglicher Art wurden in der Vergangenheit stehts ausweichend beantwortet, obwohl sich das Land nach eigenen Angaben seiner Verantwortung bewusst ist. Wie uns bekannt wurde, hat sich auch unsere Landrätin Frau Petra Enders bereits persönlich um Unterstützung durch die Landesregierung bemüht. Diese wurde genauso abschlägig beantwortet, wie die Anfrage des Abgeordneten Christrian Schaft (DIE LINKE). Der Verweis auf Unterstützung für einzelne Projekte durch Lottomittel reicht da nicht aus. Damit muss Schluss sein. Wir fordern Das Land Thüringen auf endlich Farbe zu bekennen.
Am 04. April 2026 fand die Gedenkveranstaltung anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung der Lager von S III am Denkmal im Jonastal statt. Etwa 60 Menschen nahmen daran teil. Die Gedenkrede hielt traditionell unsere Landrätin Petra Enders. Weitere Grußworte folgten. Alle Redner betonten, Lehren aus diesem Teil Geschichte zu ziehen und sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen. Der Jonastalverein wurde mehrfach für sein Engagement gelobt. In der Rede der Vertreterin des VVN/ BdA wurde erneut betont, dass der Schwur der Überlebenden von Buchenenwald auch heute nicht erfüllt ist. Die Veranstaltung wurde von den Schülerinnen der Regelschule „Am Schloss Neideck“, Mia Hierling und Freya Sander mit Rezitationen und von Max Horn von der Musikschule Arnstadt musikalisch umrahmt. Wir danken allen Teilnehmern, Rednern und Akteuren.
Am 28.03.2026 fand eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des KZ Ohrdruf statt. Sie wurde von 12 Jugendlichen aus ganz Deutschland veranstaltet und richtete sich ausführlich an Jugendliche aus der Umgebung, die mit großem Interesse beteiligt waren, insgesamt waren es knapp 60 junge Teilnehmer. In der kurzen Zeit von November 2025 bis zum Tag der Gedenkveranstaltung am 28.03.26 entwickelten die jungen Menschen viele Ideen, wie man an das Konzentrationslager S III erinnern, und es für andere junge Leute gut zugänglich gestalten könnte.
Am Ende wurde das Programm des Tages so gestaltet, dass es am frühen Vormittag mit Bussen auf den Truppenübungsplatz ging und dort ein Rundgang am Nordlager sowie am Massengrab stattfand, um einen Einblick in die Geschichte des Konzentrationslagers zu erhalten. Unterstützt wurde der Rundgang mit bewegenden Gedenkreden am Nordlager sowie mit einem individuellen Gedenken am Obelisken, wo es die Möglichkeit gab, Rosen niederzulegen. Nach diesem emotionalen Ereignis ging es mit den Bussen ins Schloss Ehrenstein, wo eine Mittagspause stattfand und die ersten interessanten Gespräche geführt wurden. Nach der Pause ging es weiter mit einer Podiumsdiskussion, mit dem Thema „Wie wollen wir hier gedenken- heute und in der Zukunft?“. Danach fanden verschiedene Workshops statt, in denen es nicht nur theoretisch, sondern auch sehr praktisch zuging. Nach den Workshops gab es noch Möglichkeiten zum Austausch mit der Hilfe eines Vernetzungstisch, auf dem man seine Kontaktdaten hinterlassen konnte.
Diese Veranstaltung zeigte, wie wichtig es ist, solche Gedenkveranstaltungen zu arrangieren und dass das Interesse auch bei vielen Jugendlichen gegeben ist.
Wir begrüßen das Engagement junger Leute außerordentlich.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts „Dein Historylab für neue Perspektiven“ veranstaltet mit der Unterstützung der Stiftung Buchenwald, dem Arolsen Archiv und der Stiftung EVZ.